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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XIX (1884 / 229)

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p�ischen L�ndern Zinn �berhaupt nicht vorkommt, sondern nur in 
einzelnen Theilen Asiens, in Indien, ferner in England und in Spanien, 
so dass es nur im Handelswege zu uns gebracht werden konnte. Es ist 
nun bekannt, dass die Ph�nicier und Etrusker l-landelsv�lker waren, dass 
sie das Zinn auseEngland und Spanien geholt und bei sich eine gewerb- 
liche Industrie von Bronzegegenst�nden eingerichtet hatten. 
Ebenso wissen wir, dass die Ph�nicier, besonders aber die Etrusker, 
in uralter Zeit schon einen Bernsteinhandel betrieben und den Bernstein 
von der Nordsee durch Deutschland nach Italien, Griechenland u. s. f. 
gebracht haben. Es ist nun nat�rlich, daraus zu folgern, dass eben diese ' 
Handelsv�lker auch die Bronze zu uns herauf importirt haben d�rften. 
Andere wollten nun im Gegensatze dazu behaupten, dass die Bronzen 
nicht nur von den hier lebenden V�lkern producirt worden sind, sondern 
dass die Fabrication eine absolut locale war. Alle in einem Lande gefun- 
denen Formen gelten als die Stylistik des in dem Lande wohnenden 
Volkes, und zwar desjenigen Volkes, welches historisch zuletzt in 
demselben gehaust hat. So wurde Alles, was in B�hmen gefunden worden 
ist, den Boiern zuerkannt, es gab in Deutschland, Frankreich eine eigene 
Bronzestylistik, besonders aber im Norden, wo merkw�rdigerweise au�er- 
ordentlich viele und sch�ne Bronzen gefunden werden, und hat sich eine 
eigene Arch�ologie etablirt, die sogenannte nordische Arch�ologie, welche 
die Bronzen nicht nur f�r heimisch erkl�rte, sondern sogar gro�es Ge- 
wicht darauf legte, dass die nordischen Germanen im Besitze der vorz�g- 
lichsten Bronzeindustrie waren, und eine eigene Stylistik innerhalb der- 
selben ausgebildet hatten. Sie sollen nach der Ansicht dieser Arch�ologen 
das Eisen anf�nglich gar nicht gekannt, sondern den Bedarf an Allem, was 
das Leben erforderte, in Bronze gefertigt haben. 
Zwischen diesen beiden extremen Ansichten liegt, wie so h�ufig, die 
Wahrheit wahrscheinlich in der Mitte. Wir k�nnen nach den Erfahrungen, 
die wir in Oesterreich gemacht haben, mit gro�er Bestimmtheit sagen, 
dass ein gro�er Theil der hier gefundenen Bronzen wirklich von den hier 
lebenden - sagen wir - keltischen V�lkern erzeugt worden ist, und 
zwar aus mehrfachen Gr�nden. 
Einer dieser Gr�nde ist der, dass wir historisch wissen, dass die 
Kelten ein sehr metallkundiges,_betriebsames Volk waren, und nach un- 
seren Untersuchungen der Beweis erbracht ist, dass sehr viele unserer 
Eisen-, Salz- und Kupferbergwerke in vorr�mischer Zeit schon betrieben 
worden sind. Andererseits sehen wir, dass die Ornamentik so, wie wir 
sie auf den Bronzen finden, auch auf den Thongef��en jener Zeit zum 
Ausdrucke kommt, und zwar auf Thongef��en, welche absolut nicht im- 
portirt werden konnten, weil ihr Umfang manchmal ein au�erordentlich 
gro�er ist. Die heimische Industrie der Thonwaaren mit ihrer Orna- 
mentik gibt uns in Gleichstellung mit der Ornamentik der Bronzen die 
Gewissheit, dass dieVerfertigung innerhalb desselbenCulturkreises stattfand.
	        

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