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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 234)

seines Obersthofrneisters Generalmajor Freiherr de Vaux erschienen war, 
die Comite-Mitglieder und die Hinterbliebenen Laufbergefs hatte vor- 
stellen lassen, hielt Reg-Rath Buch er folgende Festrede: 
uDer ehrenden Aufforderung eines Kreises von ehemaligen Schülern 
des Professors Ferd. Laufberger folgend, erlaube ich mir Eurer kais. 
Hoheit deren ehrerbietigsten Dank auszusprechen für die gnädige Gewäh- 
rung ihrer Bitte, ein einfaches Denkmal für ihren verehrten Lehrer im 
Museum anbringen, und am heutigen Tage, an welchem vor sechs und 
fünfzig Jahren der Verewigte geboren wurde, enthüllen zu dürfen. 
Die wenigen Worte, welche ich mir noch zu gestatten bitte, bezwecken 
nicht den Versuch, ein volles, abgerundetes Charakterbild des Menschen, 
des Künstlers und des Lehrers zu geben, sondern nur in knappen Zügen 
darzulegen, von welchem Gedanken jene Männer bei der Errichtung einer 
Denktafel für den uns Allen Unvergesslichen geleitet worden sind. Als 
vor mehr als drei Jahren Ferd. Laufberger so plötzlich, in der Blüthe 
der Kraft, des Wirkens und Schaffens abgerufen worden war, regte sich 
noch unmittelbar unter dem Eindrücke des erschütternden Ereignisses der 
Wunsch, es möge hier im Museum ein bleibendes Zeichen der Erinnerung 
an ihn gestiftet werden. Nicht von der Sorge konnte dieser Wunsch ein- 
gegeben sein, dass ohne ein solches Zeichen sein Gedächtniss hier jemals 
schwinden könne. So lange dieses Haus steht, wird es auch seinen Namen 
nennen, in dem leuchtenden Schmucke dieser Halle, in den reizenden 
Arabesken, durch welche er, in dieser Richtung bahnbrechend, das Gebäude 
schon äußerlich als ein den Künsten geweihtes bezeichnet hat. Und so 
lange dies Haus eine Bildungsstätte für Jünger der ornamentalen Künste 
ist, wird, darauf dürfen wir vertrauen, der Geist Laufbergefs lebendig 
bleiben, und in den Nachstrebenden ein pietätvolles Andenken des Meisters 
wach erhalten. Dazu also bedurfte es keines Bildes und keiner Schrifttafel. 
Setzen doch eben seine Schüler ihren Stolz darein, seinlgeistiges Ver- 
mächtniss nutzbringend zu verwalten, für seine Grundsätze Zeugnis: ab- 
zulegen in ihrer schöpferischen, wie in ihrer Lehrthätigkeit. Und da handelt 
es sich nicht um die Formeln eines ausgeklügelten Lehrsystems. Was 
Laufberger zu einem wahren Vorbilde für sie gemacht hat, das war die 
Einheit von Künstler, Lehrer und Mensch, der in keinem Zuge seines 
Wesens sich verleugnende Charakter. Schlicht, ehrlich und treu, rastlos 
strebend und an sich bessernd, freudig schaGend, aber mit äußerster Strenge 
gegen sich selbst, offenen Auges für alle Erscheinungen der Natur und 
des Lebens, voll seltenen Verständnisses für das Kunstschalfen früherer 
Perioden, bescheiden sich beugend vor größeren Genien der Vergangen- 
heit und seiner Zeit - so hielt er unverbrüchlich fest an den in ernsten 
Studien und schwerem Ringen erkämpften Ueberzeugnngen, vertrat sie 
mannhaft, bethätigte sie mit seiner ganzen Kraft. Y 
So sahen ihn seine Schüler wirken, denen er, ein älterer Freund, 
rückhaltlos mittheilte, was er wusste und konnte, die er an eine gleich
	        

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