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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 236)

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sind und, in entsprechender Anzahl vorräthig gehalten, nur in einfacher 
Weise aneinander gereiht zu werden brauchen. Diese Elemente sind wohl 
als die complicirtesten zu in Rede stehendem Zwecke verwendeten zu 
betrachten; viel einfachere noch vereinigen sich zu reichen Mustern; 
die einfachsten sind die unter Fig. 2a dargestellten; glatte Streifchen 
in der Mitte unter einem Winkel von izo" stumpf geknickt. Das durch 
sie gebildete Textilmuster (Fig. z) kommt in verschiedener Farbenzusam- 
menstellung von tretilicher Wirkung vor. 
So gerne ich die Arbeiten der klugen, kunstfertigen Männer des 
Orients noch weiter beschreiben möchte, so muss ich doch bei der Reich- 
haltigkeit dieses Stoffes, welcher bezüglich der Bildung der textilartigen 
Cloisonnämuster allein einen Cyclus von Vorträgen ausfüllen könnte, 
darauf verzichten; nur eine oft aufgeworfene Frage will ich hier noch 
knryberühgen: Welcher, Oefen bedienten sich die Chinesen und Japaner 
zum Brgtlningewionäregiiaailobiecten von so gewaltiger Größe, wie wir sie 
häufig finden? - Vasen bis zu einem Meter Höhe sind keineswegs selten. 
Zu_ solchen Stücken reicht das Eisenkästchen Tbeopbili nicht mehr aus, 
in welchem das Email zwischen die Kohlen gestellt wurde. 
Ich denke hierauf antworten zu können. Es bedurfte auch bei den 
ganz großen Stücken gar keines besonders construirten Ofens. Wer in 
der Lage ist, im Freien arbeiten zu können, vermag sich mancher Hilfs- 
mittel zu bedienen, welche viele kostspielige Betriebsanlagen der Industrie 
entbehrlich machen. Es ist leicht möglich, dass die fertig gestellte Vase 
im freien Felde mit einem Eisenkasten bedeckt mit Holzkohle umhaut wird, 
welche dann mit einem Mantel aus lose übereinander gelegten Ziegeln 
weiters umschlossen werden mag. Sind die Kohlen zum Glühen gebracht, 
so kann dann durch ein röhrenförmiges Ansatzstück des Kastens das 
emaillirte Object beobachtet werden. Schmilzt das Email, so lockert der 
Brenner den glühenden Mantel mittelst eines langen Hakens und mindert 
die Gluth. Aehnlich verfährt auch noch heute der arme Porzellanrnaler- 
gehilfe, wenn er etwa in einer Feierstunde einen Pfeifenkopf oder ein 
Tässchen decoriren will und diese Arbeit zu einer Zeit brennen muss, 
zu welcher ihm kein Muffelofen zu Gebote steht. Er bringt seine Malerei 
in einen irdenen Topf, an dessen Deckel er am Rande eine rundliche 
Scharte zum Guckloch auszwackt, umbaut das Ganze mit Kohlen und 
das Weitere geht vor sich wie eben beschrieben, 
Mit dem bis jetzt Angedeuteten ist das Allgemeinste über jene 
Arbeiten der Emaillirkunst gesagt, deren charakteristisches Merkmal darin 
besteht, dass opake oder halbopake Schmelzgläser auf einer Metallunter- 
lage, ohne dass diese letztere selbst zur malerischen Wirkung beitragen 
kann, zum musivischen Muster sich vereinigt. Ich möchte sulche Arbeiten 
in ihrer Gesammtheit als die Gruppe der geschliffenen Flachmuster- 
Fbrrsequng auf der Beilage.
	        

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