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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 236)

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basso rilievo, entsprechend der französischen Bezeichnung email de hasse 
taille. Cellini ist es auch," der zuerst eines Brennofens erwähnt, offenbar 
eines Muffelofens, denn sein wfornellom ermöglicht es ihm, vor der Oeifnung 
desselben das Email langsam anzuwiirmen und es beim Brennen im 
geeigneten Moment sofort aus der Gluth zu ziehen. Was eine Emaillir- 
mul-Iel ist, soll hier gleich kurz erwähnt sein: ein Kasten in Gestalt eines 
Prisma's oder eines halben Cylinders, aus Thon oder Eisen in einen Ofen 
eingesetzt, so zwar, dass Kohlen in hinreichender Menge ringsumher den 
Zwischenraum füllen können. Die freie olfene Vorderseite dieser Mulfel 
ist durch einen verticalen Deckel verschließbar. Eine solche Vorrichtung 
ermöglicht ein rasches und continuirliches Arbeiten und eine genaue 
Controle des Brandes. 
Wurde die Ausübung des Reliefschmelzes zur Zeit der Renaissance 
in ltalien eine allgemeine, so konnte sich dagegen eine andere Art der 
Verwendung transparenter Emaillen nur als eine seltene Spezialität geltend 
machen, deren thatsächliche Existenz man durch lange Zeit überhaupt 
anzweifelte und über deren Heimat man auch heute noch nichts Näheres 
weiß. Das Email a iour, ein Zellenernail ganz ohne Excipienten, nur 
durch die Cloisons allein zusammengehalten, so dass die Emaillen in 
durchfallendem Lichte ihre Wirkung zeigten. Benvenuto Cellini ist es 
wieder, der ein Beispiel dieser Arbeit beschreibt, eine Trinkschale ohne 
Fuß, welche ihm König Franz l. von Frankreich zeigte mit der Frage, ob 
er es wohl verstehe, wie eine solche Arbeit gemacht werde. Die Art, wie 
sich Cellini über diesen Gegenstand ausspricht, zeigt deutlich. dass er ihm 
völlig neu und bewunderungswürdig erschien. Es ist daher die Ansicht 
eines neueren Schriftstellers, Cellini habe sich gerühmt, solche Arbeiten 
gemacht zu haben, eine unrichtige; auch die Erklärung der Technik, 
welche der König erhielt, lautete keineswegs in einer Fassung, als habe 
Cellini dergleichen Arbeit schon selbst geübt, es' war solche vielmehr die 
ideale Beschreibung des Verfahrens, mittelst welchem man solche Emaillen 
machen könne; nebenbei gesagt aber vollkommen sachgemäß, klar und 
verständlich. 
Spielte bei dem transluciden Email sur relief das sorgsam gearbeitete 
Metall die Hauptrolle, so wird die artistische Bedeutung des Excipientcn 
durch eine weiters zu verzeichnencle Wandlung der Emailtechnik voll- 
ständig in den Hintergrund gedrängt. Fassen wir alle jene Arten der 
Emaillirverfahren, bei denen die darzustellenden künstlerischen Gebilde 
schon bei der Verfertigung des metallenen, das Email tragenden Unter- 
grundes berücksichtigt und theilweise auch fertiggestellt werden müssen, 
unter der allgemeinen Bezeichnung Goldschmiedemail zusammen, so bleibt 
nur noch das Resultat dieser Wandlung, die zweite große Gruppe der 
Emailarbeiten zu betrachten, übrig, bei welcher der metallene Excipient 
bezüglich der Herstellung des Obiectes in artistischer Beziehung voll- 
ständig irrelevant erscheint und in vielen Fällen als der bloße Träger der
	        

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