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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 237)

Es vergeht fast keine Woche, wo nicht an den Schreiber dieses 
Berichtes, {den man wegen seiner wissenschaftlichen photographischen 
Arbeiten irrthlimlicher Weise im Besitze eines Versuchs-Ateliers hält, der 
Wunsch zur Aufnahme ausgedrückt wird. Denn die photographische Lehr- 
werkstätte in Salzburg verfolgt andere Zwecke; diese Anstalt, die ver- 
dienstvolle Schöpfung von Director Sitte, kann schon wegen ihrer Lage 
in einer Provinzstadt nicht zu jenem EinHuss auf Kunst und Wissen- 
schaft gelangen, wie wir dies hier im Auge haben; ja sie hängt sogar 
selbst so zu sagen in der Luft, weil ihr der Anschluss an eine künstlerisch 
und wissenschaftlich thätige Lehr- und Versuchsanstalt in der Centrale 
fehlt, welche in inniger Berührung mit den Kunstschulen neue Methoden 
ausmitteln, für die Praxis ausarbeiten und der allgemeinen Anwen- 
dung zugänglich machen soll. 
Es soll nun die Frage erörtert werden: Wie kann die Photographie 
als Unterrichtsgegenstand gelehrt werden? Hat der Photographie-Unterricht 
überhaupt Berechtigung an Kunst- und gewerblichen Schulen? 
Das eigentliche Ziel ist die Errichtung einer Anstalt, an welcher 
die elementaren photographischen Methoden für Maler, Techniker und 
Forscher gelehrt, neue Methoden erprobt und eingeführt werden, ver- 
bunden mit einer Versuchsstation und einer Lehrwerkstätte, worin photo- 
graphische Arbeiter in speciellen Fertigkeiten, wie Zinkätzen, Umdrucken 
auf Stein etc. unterrichet werden. 
Ferner würde eine Retouchirschule, welche leicht an den Zeichen- 
und Malerschulen Anlehnung findet, großen Zuspruch haben und viele 
Kunstgewerbeschiiler sicheres Brod linden und außerdem die Industrie 
bessere Durchschnittsleistungen erzielen. 
Da jedoch dieser Plan weit ausgreifend ist, so soll zunächst ein 
Programm begründet werden, worin den dringendsten Bedürfnissen der 
Kunst- und Gewerbeschulen in Wien Rechnung getragen wird. 
i. Die Schule soll für das gewerbliche oder künstlerische Leben 
vorbereiten und deshalbist es eine Pflicht der Unterrichtsver- 
waltung und Directionen, alle einschlägigenWissenschaften, 
neuen Erfindungen und Entdeckungen einzubeziehen, um 
neue Gesichtspunkte zu gewinnen, welche fördernd auf lndustrie und 
praktische Berufsarten sind. Dies aber thut die Photographie in nicht 
leugbarer. Weise. 
z. Die Photographie hat eine allgemein bildende Wir- 
ltun g. Der Schüler, welcher speciell an Kunstschulen wenig beobachtende 
Naturwissenschaften treibt, lernt beobachten, Fehler vermeiden, da die 
gesammten photographischen Methoden nur unter stetiger Beobachtung 
des Causalnexus und umsichtiger Beobachtung aller Fehlerquellen gute 
Resultate liefern. 
Der Verfasser hat sich überzeugt, dass bei manchem Schüler die 
Regeln des perspectivischen Körperzeichnens alsbald in Fleisch und Blut
	        

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