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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 238)

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unser Marcus nicht: das bestätigt zu finden, ist von außerordentlicher 
Wichtigkeit. Doch wie viele Ausblicke gewährt dieser kostbare Streifen, 
den ein grausames Geschick allein übrig gelassen hat und dessen Wieder- 
herstellung eine glückliche Fügung gestattet! Mit Spannung sehen wir 
der Verößentlichung eines Facsimile des Fragmentes in dem bald erschei- 
nenden Corpus Papyrorum Raineri Archiducis entgegen. Unter- 
dessen mögen sich die Kritiker rüsten: tendenziöse Skepsis im Sinne 
einer indocta ignorantia und zu Gunsten der kirchlichen Evangelientradition 
ist hier sehr billig, und vages Gerede, es sei Alles zu unsicher, um Schlüsse 
zu ziehen, noch billiger. Wohl aber vermag vielleicht mancher kundige 
Fachgenosse etwas nachzuweisen, was uns aus der wunderlichen Lage 
befreit, von einem anonymen, verstümmelten Fetzen die wichtigsten Be- 
lehrungen empfangen zu müssen -.: Abgesehen von diesem köstlichen 
Funde hat die Durchforschung der großartigen Papyrus-Sammlung auch 
sonst wieder schöne Erfolge zu verzeichnen. So die Entdeckung des 
Restes einer Papyrus-Handschrift von Plato's Georgias (pag. 504), 
aus dem zweiten Jahrhundert n. Chr., mit Abweichungen von dem 
bekannten Texte, in schönster alexandrinischer Kalligraphie geschrieben. 
Dieses Stück übertriift alle bisherigen Plato-Handschriften und lässt uns 
billig staunen über die unerwartete Reichhaltigkeit des Faijumer Fundes 
an literarischen Texten, welcher nun in schöner Vereinigung in der 
erzherzoglichen Sammlung deren von Homer (über zoo Verse), Theokrit 
(Idyllen), Thukydides, Aristoteles und Plato enthält. 
Andere bemerkenswerthe Funde unter den griechischen Papyri 
betreffen solche, welche nach den Regierungsjahren der römischen Kaiser 
datirt sind. Zu den bisher verößentlichten langen Listen derselben 
kommen nun weiters Stücke von Marcian, Gratian, mehrere von Con- 
stantin dem Großen, Licinius, Valentinian und Honorius. Die Zahl der 
ungemein seltenen lateinischen Papyri ist auf 38 gestiegen. Aus 
den hebräischen Papyri ist die wichtige Thatsache constatirt worden, 
dass es unter diesen Schriftdenkmälern auch welche gibt, die um min- 
destens zwei Jahrhunderte älter sind als von den Fachmänncrn bisher 
angenommen wurde. 
Zu der in unseren früheren Berichten aufgezählten Reihe der höchst 
seltenen arabischen Papyri des ersten Jahrhunderts der Hidschra 
(Vll. Jahrhundert n. Chr.) kam ein neues Stück hinzu. Ferner gibt das 
leider sehr kleine Fragment einer Tradition über die den Untergang 
des persischen Reiches besiegelnde dreitägige Schlacht von el-Kadisija 
(635 n. Chr.) wiederum ein bedeutsames Zeichen von dem Cursiren 
schriftlicher Traditionen in Mittelägypten im siebenten Jahrhundert n. Chr. 
und einer lebhaften literarischen Bewegung in der Provinz el-Faijum. 
Dazu kommen noch interessante Ueberreste historischer Schriften des 
achten Jahrhunderts, theilweisermit lnterlinear-Glossen, welche die Lebens- 
geschichte des Propheten Mohammed betreffen.
	        

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