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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 238)

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so lag auf einer Zeitung eine Sternpelsteuer von fünf Pfund oder zwei- 
undsechzig Gulden, und eine solche Zeitung zu halten konnten sich 
daher nur Wohlhabende erlauben. Aber die Stempelpüicht begann erst 
bei den Blättern von der Größe eines halben Druckbogens. Naturgemäß 
warf sich die Speculation auf die Herausgabe von Blättern kleineren 
Formates, und wenn auch nicht gerade naturgemäß, doch sehr begreiflich 
ist es, dass diese wohlfeile Presse nicht eben den edelsten lnstincten ihrer 
Leser entgegenkam. Im Jahre 183i sollen in London wöchentlich 150.000 
stempelfreie Blätter verkauft worden sein, die Mehrzahl politisch sehr 
radical, ja revolutionär oder unfläthigen Inhalts, auch wohl beides mit 
einander vereinigend. Die gefährliche Wirkung einer in verschiedenem 
Sinne zügellosen Tagesliteratur wurde allgemein erkannt; während aber 
die Behörden sich vergebens abmühten, durch gerichtliche Verfolgung 
dem Unwesen zu steuern, nahm Knight den Kampf in anderer Weise 
auf. Er gründete 1832 die Society for the diffusion of useful Knowledge, 
Gesellschaft zur Verbreitung nützlicher Kenntnisse und durch dieselbe 
das erwähnte "Penuy Magazinen, welches dem Volke belehrenden und 
unterhaltenden Lesestoff mit erläuternden Abbildungen für denselben 
Preis bot, den es für eine lediglich aufstachelnde oder schmutzige Lectüre 
gezahlt hatte. Der Erfolg war glänzend; bis Ende des Jahres waren schon 
200.000 Exemplare in Wochen- und Monatheften verkauft, und der 
Absatz stieg noch immer. Uebersetzungen oder Nachahmungen erschienen 
in Deutschland, Frankreich, Holland, Schweden, Livland, ltalien, auf den 
Jonischen Inseln, in Mittel-Amerika und Brasilien. Aehnliche Unterneh- 
mungen im Lande selbst blieben auch nicht aus, aber erst die wlllustrated 
London Newsn entwickelten eine so überlegene Concurrenz, dass Knight 
sich 1845 genöthigt sah, derselben zu weichen. In textlicher Beziehung 
bot das neue große Blatt keineswegs Besseres, die Menge und die bessere 
Ausführung der Bilder schlug das wPenny Magazinen aus dem Felde. 
Allerdings hat es Zeitungen und auch illustrirte Zeitungen bereits 
viel früher gegeben. wNeue Zeitung-w war ja der beliebteste Titel für 
Flugblätter, welche Nachrichten über Kriegsereignisse, Festlichkeiten an 
den Höfen, Wassers- oder Feuersnöthe, verheerende Krankheiten oder 
Mordthaten verbreiteten und durch die Abbildung einer belagerten Stadt, 
einer Feuersbrunst, durch Personenbilder etc. anschaulicher rnachten, 
wobei denn oft genug ein und derselbe Holzschnitt für ganz verschiedene 
Ereignisse herhalten, ein Porträt heute vielleicht den Feldherrn der einen 
Macht und morgen seinen Gegner vorstellen musste. London besaß sogar 
1643 schon ein Wochenblatt mit Abbildungen, "Mercurius civicusu genannt, 
mit oHenbarer Anspielung auf den älteren "Mercurius aulicusu; es war 
um die Zeit des Ausbruches des Bürgerkrieges, und dem Götterboten, 
welcher Neuigkeiten vom Hofe brachte, stellte sich ein bürgerlicher, oder 
sagen wir: demokratischer Collage an die Seite, der übrigens Cavalieren 
und Rundköpfen gegenüber insoferne Unparteilichkeit bewahrte, als die
	        

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