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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 239)

„Jim 
wirken aber ganz vortreElich als decorativer Schmuck, sowohl diejenigen 
in zweierlei Blau wie diejenigen mit reichlichem Roth, welche bisher 
ganz besonders für rhodische Arbeit galten. Manche Seltenheiten befinden 
sich auch unter ihnen, so die Teller mit den Schiffen oder die mit 
Thierfiguren. 
In demselben Glaskasten, welcher diese Fayencen enthält, fällt unser 
Blick auf ein paar glasirte Thongegenstände von merkwürdiger Technik: 
Stücke von Säulen oder von Wandbekleidung, mosaikartig mit farbig 
glasirten Stücken in geradlinig verschlungenen Mustern überzogen. 
Offenbar sind diese scharf zugeschnittenen Fayencestücke noch in die 
weiche, cementartige Masse, die sich dann verhärtet hat, eingedrückt 
worden. Von einer ähnlichen, aber doch verschiedenen, musivischen 
Technik besitzt das Oesterr. Museum höchst merkwürdige Beispiele. Der 
Orient ist nicht auszulernen. 
Bei diesem decorativen Principe, das über alle mohammedanische 
Kunst herrscht, steht wie überall so auch hier die textile Kunst in erster 
Linie. Eine Collection orientalischer Gewebe zusammenzubringen ist nicht 
schwer, denn es scheint eine unerschöpfliche Fülle vorhanden zu sein. 
Sie aber gut und interessant und mit dem Eindrucke des Neuen 
zusammenzubringen, dazu gehört schon eigener Geschmack und ein 
gutes Auge. Und diese Eigenschaften kann man dem, was Graf Lancko- 
ronski an textiler Arbeit aller Art gesammelt hat, wohl nachrühmen. Es 
sind Stickereien, Seiden- und Goldgewebe, Costüme, Fußteppiche, Gebets- 
teppiche verschiedenster Art. Wie gesagt, ist es bei diesen Orientalen 
schwer, aus der Menge das Einzelne als hervorragend herauszugreifen. 
Wer sie auf den Farbenetfect, auf die Technik, auf den Gebrauch ansieht, 
wird leicht das Bemerkenswerthe herausfinden. Doch scheint uns noch 
ein Umstand beachtenswerth. Diese Gegenstände sind fast durchgängig 
an Ort und Stelle ihrer Herkunft gesammelt und so auch aufgestellt, 
gesondert nach ihrer Herkunft. Dadurch lernen wir die Besonderheiten 
der Provinzen oder die Eigenthümlichkeiten ganzer Striche unterscheiden, 
die wir bei Allem, was aus dem Sammelmarkte von Constantinopel 
kommt, leicht übersehen. Dasselbe gilt von der reichen Sammlung echter 
Costüme, die zum Theile dem Grafen Lanckoronski, zum Theile dem 
Arzte und ethnographischen Forscher Dr. Felix Luschan gehört. 
Dieser Reisebegleiter hat unsere Ausstellung noch um eine andere 
Specialität bereichert, nämlich um eine Sammlung orientalischen oder 
vielmehr kleinasiatischen Vnlksschmuckes, welche mit einer Anzahl von 
Instrumenten und Geräthen eine willkommene Ergänzung zu dieser 
Kenntniss orientalischen Lebens und orientalischer Kunst bildet. Was 
diesen Schmuck auszeichnet, das ist die Zierlichkeit der Arbeit, die ver- 
schiedenen Formen, die mannigfachen Motive des Behiinges und der 
Kettengliederung und endlich die originellen Arten, diese Ketten, Ringe,
	        

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