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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

Kanone, so hat die Schlauheit des Diebes Eigenthümer und Schlosser 
gezwungen, auf immer sichereren, geistreicher erfundenen, widerstands- 
fähigeren Verschluss zu sinnen, bis wir heute zu unseren feuer- und ein- 
bruchsicheren Cassen gekommen sind. 
Diesen Weltprocess zwischen Dieb und Schlosser, der nun schon 
etliche Jahrtausende dauert - schon das alte Aegypten hatte seinen 
wMeisterdiebu, mit dem Psammetich traurige Erfahrungen gemacht - 
diesen Weltprocess können wir vortrelilich an der Sammlung von Schlüs- 
seln und Schlössern des Herrn Andreas Dillinger verfolgen, welche 
das Oesterr. Museum seit einiger Zeit beherbergt. Es sind fast tausend 
Gegenstände, allen Zeiten und vielen Ländern angehörig, eine Sammlung 
höchst lehrreich für den Schlosser, aber auch für seine Gegner, doch 
weiß ich nicht, ob es solchen technologischen Unterricht unter den Dieben 
gibt; hier wäre wenigstens eine schöne und praktische Beispielsammlung. 
Es ist mehr der Zufall, der Herrn Dillinger vor etwa zwanzig 
Jahren darauf geführt hat, gerade Schlüssel zu sammeln - jedenfalls 
war es eine Originalität und ein Unicum, denn kein Anderer sammelte 
sie. Von Schlüsseln kam er mit Nothwendigkeit zu Schlössern als ihrem 
Correlat, denn die einen wären ohne die anderen unverständlich geblieben. 
Dass es aber Herrn Dillinger auch um das technische Verständniss zu 
thun gewesen, dass er in das Wesen hineingedrungen und mit Umsicht 
und Verstand aus technisch-wissenschaftlichem Gesichtspunkte gesammelt, 
das zeigt sein vom Oesterr. Museum herausgegebener gedruckter Katalog, 
welcher die Ausstellung begleitet. 
Der Katalog folgt wie die Eintheilung der Sammlung der chrono- 
logischen Ordnung. Das ist freilich nur im Großen und Ganzen zu ver- 
stehen, in großen Perioden, denn wenn wir von den letzten Jahrhun- 
derten absehen, so ist ein Schlüssel oder ein Schloss wohl einer Epoche 
zuzuweisen, wohl zu sagen, sie seien antik oder mittelalterlich, romanisch 
oder gothisch, auf die Bestimmung des Jahrhunderts aber oder gar eines 
noch enger begrenzten Zeitraumes müssen wir Verzicht leisten. Was 
antik-römisch ist oder dieser Zeit angehört, ist leicht zu sagen, da ja 
gewöhnlich schon das Material, Bronze, entscheidet; wenn auchEisen 
für Schloss und Riegel und Schlüssel in Gebrauch war, so ist doch 
wenig davon erhalten. Innerhalb dieser weiten classischen Grenze vermag 
aber nur der Fundort nähere Daten zu geben. Auch die Mechanik, die 
verschiedenen Systeme, obwohl diese mit gewissem Fortschritte einander 
folgen, gibt nicht absolut sichere Anhaltspunkte, denn manches einfache, 
uralte System hat sich im nationalen Gebrauche erhalten, andere waren 
schon da, vergingen und sind wieder neu erfunden. So ist es gewiss eine 
interessante Erscheinung in der Geschichte dieses Industriezweiges, dass 
gerade das modernste System der (Wertheinfschen) einbruchsicheren 
Cassen, welches eine Anzahl Zapfen erst zurückstößt, bevor der Riegel 
geschoben werden kann, im Wesentlichen schon bei den Römern in
	        

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