MAK

Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

Bildhauers, von Uechtritz. Es ist ein junger Neapolitaner mit Pfeife und 
Aelfchen, nachlässig rückgelehnt, die Linke zum Empfange einer Gabe 
ausgestreckt, eine lebensgroße Statue, realistisch gedacht und modellirt, 
und bemalt mit einer Natürlichkeit und einer Vollendung in dieser Natür- 
lichkeit, dass wir den Knaben leibhaftig vor uns zu sehen glauben. Die 
Statue ist gedacht für ein helldunkles, dunkel, aber kräftig gefärbtes 
Zimmer, etwa nach Makarfscher Art; in einem lichten und hellgefärbten 
Raume würde der Künstler vielleicht selber über die Wirkung erschrecken. 
Auch so können wir die zweifelnde Frage nicht abweisen: Ja, da doch 
der interessante neapolitanische Junge nicht salonfähig ist in seiner Leib- 
haftigkeit, sollte er es in effigie sein, wenn sein Abbild der Leibhaftigkeit 
gleichkommt? Wir werfen nur die Frage auf und beantworten sie nicht. 
Wir wollen keine Entscheidung treffen und der Stimme des Publicums 
nicht vergreifen. Unsere Absicht ist nur, ganz objectiv auf diese nach 
ihrer eigenen Art und Tendenz gelungene Statue aufmerksam zu machen, 
die einen um so interessauteren Versuch zur Lösung des Problems bietet. 
als sie auf die Decoration der Umgebung berechnet ist und somit diese 
zugleich in Frage kommt. J. v. F. - (Wr. Abdp.) 
(Die Kunstgegenstände im alten Rathhause zu Wien.) Die Centralcom- 
mission für Kunst- und historische Denkmale hat sich an das Präsidium des Gemeinde- 
rathes mit dem Ansuchen gewendet, sein Augenmerk dahin lenken zu wollen, dass mög- 
lichst Vorsorge für die Erhaltung und Aufbewahrung der im alten Rathhause befindlichen 
Kunstdenltmale getroffen werde. Das Gemeinderaths-Prasidiurn hat nach einem Beschlusse 
der Bausection der Centralcommission bekannt gegeben, dass die Gemeinde Wien im 
Falle der Demolirung des alten Rathhauses dafür Sorge tragen wird, dass die in diesem 
Gebäude befindlichen Kunstwerke, insbesondere das Andromeda-Brunnenrelief und das 
Portale der Salvatorkirche, im Eigcnthume der Gemeinde verbleiben und eine würdige 
Aufstellung erhalten. 
(Ausstellungen von Gemälden alter Meister im Wiener Künstler-hause.) 
lm Ausschuss: der Genossenschaft der bildenden Künstler Wiens beschäftigt man sich 
mit der Frage, von Zeit zu Zeit neben den modernen Ausstellungen auch Zusammen- 
stellungen alter Gemälde aus dem Privatbesitze zu machen, um auch nach dieser Richtung 
den Anforderungen des Publicums Rechnung zu tragen. Derartige Ausstellungen finden 
bereits seit Jahren in Paris, London und Berlin statt - auch das Oesterr. Museum ver- 
zeichnet eine solche (1873) unter seinen zahlreichen Expositionen - und dürften dieselben 
demnach auch hier, wenigstens in den betreffenden Kreisen, gern gesehen werden. Ueber 
den Nutzen dieser Ausstellungen bedarf es wohl keiner Auseinandersetzung. 
(Liechtenstein-Galerie) Fürst Liechtenstein hat die werthvollen Fresken, 
welche die grofie Halle seines Palais in der Liechtensteinstraße schmucken, einer voll- 
ständigen Renovirung unterziehen lassen, die sich als außerordentlich nothwendig} erwies, 
falls die alten Gemälde, wohl zwanzig bis dreißig an der Zahl, nicht ganz dem Verfalle 
geopfert werden sollten. Die Bilder stammen ungefähr aus dem Jahre 1708 und wurden 
von Johann Michael Rottrnayr von Rosenbrunn, dem Hofmaler Kaiser Leopolds I. und 
JoseFs 1., gemalt. Dem Maler Geiger wurde der Auftrag zu Theil, die Bilder zu erneuern, 
eine Arbeit, die jetzt, nach mehrmonatlicher Thätigkeit des Künstlers, mit glücklichem Er- 
folge beendetist. Die lebhaften Gruppirungen aus dem Gottercyclus sind zu neuem Leben 
erweckt, die fast poesievollen Compositionen, der Gärtnerei gewidmet, erscheinen in 
neuer Frische, und die theilweise mit dem derben Realismus jener Kunsrepoche, auf 
welche die Niederländer einen wesentlichen Einßuss ausubten, wiedergegebenen Alle- 
gorien, die fünf Sinne darstellend, sind ganz in der Manier des alten Meisters von Neuem 
durchgeführt. Zugleich mit der Renovirung der Fresken sind auch die schönen alten 
Reliefarbeiten einer Erneuerung unterworfen werden. 
(Stadt. Kaiser Franz Josef-Gawerbe-Museum in Oltnutz.) Das städtische 
Geiverbemuseum in Olmutz hat das erste Jahrzehent seines Bestandes vollendet. Unter 
Mithilfe Heinrich Fraubergefs, des ersten Cusios am Mahrischen Gewerbemuseum 
zu Brünn, in's Leben gerufen, hatte das Olmützer Museum sich später der unermüd- 
lichen Pliege zweier einheimischen Custoden, W. Schuppler und Ed. Zbitek, zu er- 
freuen, welchen Beiden das Verdienst zukommt, das von Frauherger begonnene Werk
	        

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