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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 240)

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weitergefbrdert und die Sammlungen des Museums zu ihrem gegenwärtigen Umfange 
und ihrer jetzigen woblgeordneten Aufstellung erhoben zu haben. Das Museum ist 
bereits zu einer überraschenden Fülle von kunstgcwerblichen Vorbildern aller Art 
gelangt und es bildet nunmehr einen vielversprechenden Boden, auf welchem die Bestre- 
bungen des Kunstßeißes und des Kunsthandwerkes zu gedeihen vermogen. 
(Künstlerhaus in Salzburg.) Am l. August fand in Salzburg durch den Statt- 
halter Grafen Thun die feierliche Uebergabe des neuen Künstlerhauses an den Salz- 
burger Kunstverein und die Eroffnung der ersten Kunst- und Kunstgewerbe-Ausstellung 
in demselben statt. Das neue Heim, welches der Kunst in Salzburg gewidmet wurde, 
ist ein geräumiger Bau im italienischen Renaissance-Style, am Ufer der Salzach nächst 
der Karolinenbrücke. Das kürzlich vollendete Gebäude, nach den Planen des Architekten 
Michel ausgeführt, wird mit einem Parke umgeben und bietet eine herrliche Rundschau 
auf die Stadt und das prachtvolle Landschaitsbild. Seinem Zwecke entsprechend, umfasst 
das Künstlerhaus einen grolfen Ausstellungssaal, einen kleineren Salon und acht geräumige 
Künstlerateliers nebst anderen erforderlichen Räumlichkeiten. Gegenwärtig sind alle 
Raume von der aus Oesterreich und Deutschland reich beschickten Kunstausstellung und 
der ansehnlichen salzburgischen Kunstgewerbe-Ausstellung in Anspruch genommen. 
(Rtldolphlnum in Lulbaeh.) Der Bau des neuen landschaftlichen Museums 
wRudolphinumt in Laibach geht seiner Vollendung entgegen. Der auCere Verputz ist 
bereits beendet, in den schonen geräumigen Salen im Hochparterre und im ersten Stuck- 
werke wird an die Ausmalung der Raume, die Legung des Parkettbodens und die übrigen 
Bautischlerarbeiten die letzte Hand angelegt. lm Einklange mit den inneren Räumen 
stehen auch die imposanten Corridore, welche die Bestimmung haben, zum Theile auch 
für temporäre Ausstellungen benützt zu werden; die Pßasterung im Hochparterre wird 
mit Nabresiner Stein, im ersten Stockwerke mit rnosaikartigem Terrazzo ausgeführt. 
Außer der bereits im Vorjahre ausgeführten statuarischen Ausschmückung der Attika 
der Vorderfrnnt mit den Bildnissen der Carniolia und des Muthes, beide das Wappen 
Krains haltend, werden demnächst auch am Portale vier allegorisehe weibliche Statuen, 
über Lebensgröße von der Wiener Bildhauer-Genossenschaft in Sandstein ausgeführt, 
zur Aufstellung gelangen, die Arbeit, das Kunstgewerbe, die Geschichte _und die Natur- 
geschichte darstellend. Zwei krainische Künstler, Johann und Georg Suhic, der eine 
dermalen in Kaiserslautern, der andere in Paris mit Arbeiten beschäftigt, haben die 
malerische Ausschmückung der Decken des Vestibules und des prächtigen Stiegenhauses 
übernommen. lm ersteren wird ein großes Wandgemälde die Carniolia darstellen, welche 
die Künste und Wissenschaften unter ihren Schutz nimmt, umgeben in den l.unetten an 
der Hohlkehle von allegorischen Figuren des Ackerbaucs, der Fischerei, des Bergbaues 
und des Gewerbes. Die an der Decke des Stiegenbauses in Stucco sehr geschmackvoll 
angebrachten Rahmen sind zur Aufnahme ahnlicher allegorischer Figuren bestimmt. Mit 
der Uebersiedlung der Musealsammlungen aus dem Lycealgebände in das Rudolphinum 
ist bereits im August begonnen worden (und wird die Aufstellung derselben mehrere 
Monate in Anspruch nehmen. 
(K. k. Staatagewerbeaohule in Graz.) Dem soeben veröffentlichten neunten 
Jahresberichte der k. k. Staatsgewerbeschule in Graz entnehmen wir Folgendes: Im 
Schuljahre t884[B5 wurden sämmtiche neue Fachschulen. welche an der Schule errichtet 
werden sollten, erdlfnet. Der Unterricht an der Fachschule fürjiKunststiclterei wurde 
unter Benutzung provisorischer Localitaten im October v. J. begonnen, die Werkstätten 
der Fachschulen für Bau- und Kunstschlosserei und für Ciscliren, Graviren etc. konnten 
im Sommersemester in Betrieb gesetzt werden. Die vom steierm. Vereine zur Förderung 
der Kunstindustrie und vom steierm. Gewerbevereine gegründete gewerbliche Fortbil- 
dungsschule, welche vornehmlich durch Subventionen vom Staate, vom Lande, der Stadt- 
gemeinde und der Handelskammer Graz erhalten wurde, wurde unter der Voraussetzung, 
dass die Beitragsleistungen der localen Factoren in der bisherigen Weise geleistet werden, 
in Staatsregie übernommen und der Staatsgewerbeschule einverleibt. - Die Frequenz- 
steigerung, welche das abgelaufene Schuljahr gegenüber dem Vorjahre aufweist, ist die 
höchste seit dem Bestande der Anstalt, indem um tt6 Schüler und Schülerinnen mehr 
aufgenommen wurden als im Schuljahre 1883[84 (706 gegen 590). Wenn dies auch 
naturgemäß ist, da neue Fachschulen eröffnet wurden, so kommt doch nicht die ganze 
Steigerung auf Rechnung dieser zu setzen, indem nur 88 Einschreibungen an denselben 
stattfanden und hiebei Uebcrtritte aus schon früher bestandenen in die neuerrichteten 
Fachabtheilungen zahlreich vorkamen, so namentlich aus den theoretischen Fachschulen 
der bau- und kunstgewerblichen Abtheilung in die Fachschulen mit Lehrwerlrstatten 
für Bau- und Kunstschlosserei und aus dem offenen Zeichensaal für Damen in die Kunst- 
stickcreifachschule. Es ist also auch bei den schon langer bestehenden eine bedeutende 
Frequenzzunahme zu verzeichnen. Da 25 Schüler die gewerbliche Fortbildungsschule 
besuchtenfwelche gleichzeitig oder im andern Semester in einer der übrigen Abtheilungen
	        

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