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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 241)

müsste. Die vorhin angegebenen Kosten werden hiernach gewiss nicht 
übertrieben erscheinen. Und. doch. sind sie werschwinderid klein, vver- 
glichen mit den Summen, welche man zur Verfügung haben müsste, 
wenn man - wie ich das in den Kreisen kunstbegeisterter Laien nach 
in diesen Tagen wieder habe aussprechen hören- auein großes Museum 
von Originalsculptnren, denken wollte. Dazu. reichte selbst ein 
Grlindungsfonds von Millionen nichnausi: Aber, selbst wenn es möglich 
wäre, hin und wieder auch in Wien Erwerbungen von dem höchsten 
Werth Vzu machen, su wllirde dadurch, ldie Anlage desjenigen Museums 
keineswegs überflüssig; welches wir Lplanen. Den besten Beweis dafür 
liefern sölche Stlädteßwelche sich des Besitzes grdßerl Sammlungen" von 
Originalsculptuien erfreuen, und trbtzde ml die Gründung" umfassender 
Museen von Gypslabgüssen längst als, nöithwendig erkannt haben" und ihre 
stete Vervollkommnung als eine Hauptaufgabe der öHentlichen Kuhst- 
pflege betrachten. Berlin. besitzt izudenmehrfach ierwähnten Abguss- 
sammlung des vNenen Museurnsß einerLSchatz, dessen, Werth als eines 
Centralpunktes der Kunstforschung zu immer. allgemeinere;-Anerkennung 
gelangt; Paris arbeitet, abgesehen von, der unausgesetzten lCqmpletirnng 
seiner weltbekannten Sammlung vonißniginalsculpturemim Lpuvre, emsig 
an dem Ausbau seines Trocadero-Museunis; Landen, hatmßben seinen 
unvergleichlichen Sammlungen antiker und moderner Ilrigihalscjlpturen 
sehr ansehnliche Gypssamrnlungen im Kensingtnn-Museum, British-Museum 
und Krystallpalast. 1 ' _ v,  . .  M 1 , , 
Man kann es bedauern, dass auf, die Gründung, eines großen pla- 
stischen Museums in Wien nicht gleich beim Beginne. der Stadterweiy 
terung Bedacht genommemworden isty als es noch möglich warh dem,- 
selben innerhalb der Stadt einen wiirdigernPlatz anzuweisenm Jetzt, 
nachdem sich dies von Tag zu Tag irumer schwierigengesnaltet! und 
nachdem es aus den vorhin entwickelten Gründen sich uns überdies als 
passend erwiesen hat, mit dem Museumwaus, dem„ Stadtbezirke hinaus- 
zuwandern, müssen wir uns aller Vorthreilci bedienen, {welche 
die Eigenthümlichlceit dieser Lagedarbietet. Auf dem weiten 
Platz in der Nähe der, Rotunde, umgeben von frischem Grün und mäch- 
tigen Baumgruppen," gerade dort kann ein Museum, nicht nur-von der 
größten Ausdehnung, der freiesten Massengruppirung und von 
der lebendigsten inneren Mannigfaltigkeit, sondern auch, Wvon 
echt Wienerischer Eigenart entstehen. Was war esldenn, was unserer 
Weltausstellung des Jahres r873 ihr unvergleichliches Gepräge lieh, was 
war es anders als jener nirgendwo ähnlich zu findende Verein von Lieb- 
lichkeit und Großartigkeit, von Eleganz und Volksthümlichkeit ihrer 
Umgebungen? Ein der öffentlichen Bildung geweihtes Museum, welches 
die plastischen Meisterschöpfungen aller Zeiten und in ihnen das Ideal 
der Menschheit selbst in seiner geschichtlichen Entwicklung umschließt, 
umgeben von einem Parke wie der Prater, eine selche Anlage würde
	        

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