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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 241)

Metallfabriken Ungarns, die sich mit Kunstindustrie befassen, ist in erster 
Linie die Steinbrucher Actiengesellschaft zu nennen. Dieselbe fabricirt 
Lampen aus Bronze, Luxusgegenstände und Garnituren aller Art, kann 
jedoch, obwohl ab und zu recht gute Formen zur Anwendung kommen, 
mit den besseren Wiener Firmen nicht verglichen werden und scheint 
namentlich auf gute Ciselirung bisher wenig Werth zu legen. Weitere 
Firmen dieser Art sind Harsanyi in Pest, der Imitationen in Zinkguss 
erzeugt, Vandrak und Bardacs, Ersterer mit durchaus veralteten und 
geschmacklosen Formen. - Unter den Pester Goldschmieden und Juwe- 
lieren, von welchen eine Reihe kleinerer Firmen gewöhnliche Marktwaare 
ausgestellt hat, fallen besonders die Arbeiten von Kriegler, Grünstein, 
Gebrüder Egger und A. Bachruch auf. Grünstein zeichnet sich als Juwelier 
durch geschmackvolle Fassungen aus, die Arbeiten der beiden Egger sind 
uns von Wien aus bekannt. Der eine excellirt in Rococo- und Renaissance- 
schmuck nach alten Mustern, der andere zeigt auf der Ausstellung pracht- 
vollen Magnatensclnnuck mit Email, ungarischen: Opal, Brillanten und 
Rubinen. Das Pester Nationalmuseum gibt für diese Arbeiten die treff- 
lichsten Vorbilder ab, und nach solchen ist auch der herrliche Schmuck 
für das ungarische Nationalcostürn der Kronprinzessin Stephanie gear- 
beitet, den Professor Rauscher in Pest entworfen hat und dessen pracht- 
volle Cassette mit reichen Beschlägen in getriebenem Silber von Herrn 
Herpka, einem Schüler unserer Kunstgewerbeschule, der jetzt an der 
gleichartigen Anstalt in Pest thätig ist, ausgeführt wurde. A. Bachruch 
endlich ist in erster Linie Goldschmied, seine getriebenen Becher, Pokale, 
Schüsseln, Kannen und Schalen sind durchwegs nach guten Mustern, 
zum Theil genau nach alten Vorbildern gearbeitet und bilden eine Zierde 
der Ausstellung. - Recht ansehnlich repräsentirt sich nicht weit davon 
die Gruppe der Glasarbeiten. Nicht Alles, was man da sieht, ist wirklich 
ungarisches Glas, ein Theil der hier ausgestellten Objecte wurde nur in 
Ungarn bemalt oder sonstigen Proceduren unterzogen. Vorzügliche Arbeiten 
hat die Erste ungarische Glasfabriks-Actiengesellschaft und Kuchinkaü Sohn 
aus Neu-Antonsthal im Gömerer Comitat, woselbst l-lohlglas, geschliffenes, 
gepresstes und gravirtes Glas erzeugt wird. Form und Decor schließen 
sich den Vorbildern der besseren böhmischen Fabriken an. Bei Zahifs 
Erben in Szlatno (Neograder Comitat) sind Versuche in Diatretum nach 
altrörnischem Muster bemerkenswerthe, wohl eigens für die Ausstellung 
fabricirte Kunststücke. Auch Schreihefs Neffen treten in Pest als unga- 
rische Glasfabrikanten auf; sie haben in der That Fabriken in Zay Ugrocs 
und St. Sidonia (Trencsiner Comitat). Die Qualität dieser Arbeiten ist 
von den Wiener Ausstellungen her bekannt und steht in gutem Rufe. 
Odenbar in der Absicht, den Besucher sofort für die Ausstellung 
zu interessiren, hat man das Beste, was in Ungarn auf dem Gebiete der 
Kunstindustrie geleistet wird, die Keramik, in die Nähe des Hauptein- 
ganges, in die große Industriehalle, placirt. Man schreitet zuerst an der
	        

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