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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XX (1885 / 242)

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des großen Gebäudes gestattet. So vornehm wie der Raum, so vornehm 
die Gegenstände und das Arrangement - in beiden erscheint ein völlig 
anderer Geist als z. B. in napoleonischer Zeit auf der Pariser Ausstellung 
von 1867. Die dunkelrothen Wände schmücken (nicht bedecken) Gobelins, 
die, mit einer Ausnahme, nicht farbensatte Oelgemälde copiren, sondern 
in Composition wie Farbe decorativ wie Füllstücke einer reichen, aber 
edlen Wohnung gehalten sind, Blumenstücke oder landschaftliche Bilder, 
gleichgestimmt und harmonisch abgetönt, mit passender Bordure umgeben. 
Die Porzellangegenstände stehen auf Tischen und Etageren an den Wänden 
und in den Bogenölfnungen, frei, zahlreich und doch nicht gehäuft, wie 
edler Schmuck eines Salons. Das Ganze, neben der Ausstellung des 
Wiener Kunstgewerbevereines so ziemlich das einzige künstlerische Arran- 
gement in Antwerpen, macht einen äußerst wohlthuenden Eindruck. 
_Fast mehr noch aber ist man überrascht, wenn man an die Gegen- 
stände selbst herantritt und sie mit dem vergleicht, was die Sevres-Fabrik 
einst geleistet hat und was sie im tg. Jahrhundert und namentlich noch 
in jüngster Zeit gewesen ist. Seit ihrer Gründung oder vielmehr seit 
ihrer Umgestaltung zu einer königlichen Fabrik in der Mitte des vorigen 
Jahrhunderts hat diese Anstalt den Hauptnacbdruck auf die Malerei 
gelegt; damals aber, in den Zeiten des XV. und XVI. Ludwig, insofern 
mit einigem Rechte, als die damals gebrauchte weiche Masse (päte tendre) 
für den Schmelz reizender Farben besonders geeignet ist und damit der 
weichen Masse und somit dem Sevres-Porzellan einen gewissen Vorzug 
in kunstgebildeten, fein emptindenden Augen verlieh. Es kam dazu, dass 
auch in iener Epoche die Form der Gefäße keineswegs vernachlässigt 
wurde, und wenn sie, noch unter der Nachwirkung des Rucoco stehend, 
meist capriciöse, von strenger griechischer Art gar weit abweichende 
Gestaltung annahm, so standen diese unregelmäßigen, launenhaften Bil- 
dungen, von den Eigenschaften eines feinen Materiales und eines zarten, 
delicaten Geschmackes gemäßigt, doch in voller Harmonie mit den rei- 
zenden Farben und der duftigen Miniaturrnalerei. Immerhin, wenn auch 
für diese alten Sevres-Arbeiten heute nNarrenpreisex gezahlt werden, so 
sind sie doch Kunstwerke von eigener und eigenthümlicher Schönheit, 
an denen man seine Freude haben kann. 
Diese Harmonie zwischen Form und Malerei ging aber der Sevres- 
Fabrik auf dem Wege durch Republik und Kaiserthum, durch den Ge- 
schmack des Empire, verloren, und insbesondere seit der Zeit, als die 
weiche Masse mit der harten, auf welcher die Farben trockener liegen, 
vertauscht wurde. Je mehr die Formen der Gefäße in der ersten Hälfte 
des 19. Jahrhunderts steifer und reizloser wurden, je mehr wurde der 
Werth und der einzige Werth auf die Malerei gelegt, so dass das Por- 
zellan derselben nur einen anderen Untergrund bot wie Leinwand oder 
Papier oder die Holztafel. Die Malerei bedurfte in dieser Richtung große 
Flächen, und so wuchsen die bescheidenen Vasen von ehedem zu Riesen-
	        

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