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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 8)

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Zeit den Gläubigen sichtbar, nur vor der unmittelbaren Berührung durch 
ein durchsichtiges Glas oder Krystall geschützt, zur Verehrung aus- 
gestellt werde. 
Aus diesem Grundsatze ergibt sich von selbst die Eintheilung, wie 
ich den riesigen Stoß zu behandeln gedenke. 
Ich spreche also zunächst von der Aufbewahrung der Reliquien an 
einem Orte, wo sie den Augen der Beschauer für immer entzogen bleiben 
sollen. Es ist das zunächst der Sarg. Eine andere Aufbewahrungsweise 
der Heiligenreste, als die im Sarge, konnte sich das christliche Alterthum 
nicht denken. Aber nicht die Gebeine der heil. Märtyrer allein wurden 
in den Sarg gelegt: auch die Schwämme, mit denen ihr zur Erde geflos- 
senes Blut aufgesogen wurde; auch die Erde, die befeuchtet war von 
ihrem Blute; auch die Kleiderstücke, die etwa ihnen abgerissen worden, 
oft auch die Marterwerkzeuge selber. Wenn fromme Andacht Stücke 
davon entwendete, wenn durch Ankauf von den Henkern Theilchen in 
Privatbesitz kamen, stieß ein solches Vorgehen auf heftigen Widerstand 
von Seite der christlichen Behörden "). 
Der aus Holz, später (seit dem 3. Jahrhunderte) auch aus Blei 
gefertigte Sarg wurde in den Sarkophag gestellt; manchmal kam die 
Leiche direct in den Steinsarkophag. Der Sarkophag wurde entweder in 
die Erde versenkt oder er wurde, namentlich in den Katakomben, in 
Nischen gestellt, welche meist im Rundbogen überwölbt waren. Die Sar- 
kophage wurden meist beim- heidnischen Steinmetze gekauft, der es wohl 
bald heraus hatte, welchen Darstellungen die Christen den Vorzug 
gaben: Darstellungen nämlich, welche leicht in christlicher Symbolik 
umzudeuten waren. Ich kann mich auf die Darstellungen der Sarkophage 
nicht einlassen, kann den Zeitpunkt nicht einmal berühren, da die Malereien 
der Katakomben auf die Sarkophagbilder Einfluss zu nehmen beginnen, 
sondern erwähne nur, dass schon in altchristlichen Sarkophagen die 
Architekturformen (Säulenstellung mit Rundbogen) als Einrahmung für 
die darunter gestellten Figuren dienen: es muthet uns eben nur als alt- 
christliche Reminiscenz an, wenn wir dieselbe Erscheinung in viel späterer 
Zeit in den Reliquiaren wiederfinden. 
An den Gräbern der heil. Märtyrer fanden sich die Christen zum 
Gebete ein und neben dem Altare stand oft der Sarg, oder der Altar 
stand über dem Grabe: ja sehr bald entwickelte sich der bald (272) 
Gesetzeskraft erhaltende Gebrauch, dass die heil. Messe nur über den 
Reliquien der Heiligen, die entweder im Boden unter dem Altare oder im 
Altare selbst einzuschließen waren, gefeiert werden durfte. So haben die 
Reliquien auf den Altar selbst langsam, aber kräftig einen formgebenden 
Einfluss ausgeübt: Die Platte ist vom alten Altar, dem Tische, auf 
') Nach Kraus, Real-Encyklopädie der christl. Alterthürner, Art. Reliquien (Q. 687), 
welcher von mir vielfach ausgebeutet worden ist. 
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