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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 8)

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Sacrament. Solche Altaria portatilia scheinen bis in die Zeiten Con- 
stantins des Großen zurückzureichen. Edle Steinsorten, wie Marmor, 
Serpentin, Krystall bilden häufig den Kern der Tafel, in welcher in der 
Mitte oder an den vier Ecken die Reliquien ruhen, oft unter Krystall- 
Verschluss sichtbar. Es kann aber auch das Mittelstück eine werthvolle, 
in flachem Relief geschnittene Elfenbeintafel oder eine ciselirte oder gra- 
virte Metalltafel sein. Für die Umrahmung stehen zur Decorirung das 
Niello, Email, die Ciselirung zu Gebote, oder wenn der Rahmen aus 
Holz ist, die Schnitzerei und Marqueteriearbeit, wie am Altärchen von 
Diebolsheim (1501). Da das Ganze ein Mobile ist, kann es auf FüBchen 
ruhen. Solcher Altaria portatilia gibt es zu viele, als dass ich sie anführen 
könnte; ich erwähne die von Melk (aus dem 11., eines mit Elfenbein- 
relief aus dem 12. Jahrh.), Klosterneuburg, Admont, des Welfenschatzes'), 
der reichen deutschen Schatzkammern nicht zu gedenken. Unter Einem 
erwähne ich jenen Buchdeckel eines Plenarium im Welfenschatze, welcher 
voll ist von Reliquien und als Portatile dienen kann. Er bildet den 
Uebergang zu den eigentlichen Reliquientafeln, deren eine, im Stifte 
St. Paul in Kärnten, zu den Cimelien unseres Vaterlandes gehört. Das 
Reisealtärchen des Königs Arnulf ('l' 899), das er dem Kloster St. Emeram 
geschenkt hat und das nun eine ganz besondere Zier der reichen Capelle 
in München bildet, erwähne ich nur 0b des Namens "Reisealtärchem, 
denn eigentlich ist es doch nur die Nachahmung eines Baldachins, eines 
Ciboriums, die auf den Altar zu stellen war. 
Ganz anders als die Altaria portatilia sehen die als Hausaltärchen 
bekannten, oft sehr werthvollen Triptycha aus, wie denn eines der 
schönsten kleinen Triptycha das herrliche Emailwerk ist, welches als 
Hausaltärchen der Maria Stuart im Schatze der reichen Capelle sich 
befindet. Es gab auch Statuen, z. B. Madonnen, welche zu öffnen 
waren, und deren Inneres einen winzigen Flligelaltar zeigte. 
Aus dem Mittelalter hat sich uns ein Bleireliquiar in Limburg an 
der Lahn erhalten, das Jahrhunderte lang im Sepulchrum eines Altares 
verborgen gewesen war; es stellt eine Capelle mit Thürmchen dar und 
ruht, wie ein Altare portatile, auf Löwenfüßen. 
Aber die Andacht der Gläubigen beruhigte sich nicht dabei, dass 
die Reliquien in den Altären eingeschlossen seien, sie wollte wie in 
alten Zeiten zu den Reliquien selbst kommen können, in nähere Be- 
') Bezeichnend ist für diesen Schatz die Thatsache, dass in dem handschriftlichen 
Inventar von 1482 der Ausdruck nAltare portatilen nicht vorkommt, sondern alle diese 
als ISCTlTIlSI, Sch reine, bezeichnet werden. lch darf hier nicht übergehen, dass nach 
diesem Inventar eine bedeutende Anzahl gerade der werthvollsten dieser Scrinia dazn 
dienten, um -das hochwürdigste Gut an Hochfesten darauf zu stellenc, andere, um die 
bedeutendsten Reliquien (Kopf des heil. Blasius, des heil. Cosmos) auf dem Altare, auf 
demselben, der Verehrung zu exponiren. Hiemit dürfte manche unserer Vorstellungen 
sich klaren, die wir Ober die Altaria portatilia haben.
	        

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