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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe I (1886 / 10)

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sich, für kürzere Distanzen geschaffen, die idealen Blattformen des Ran- 
kenwerkes; auch ihre Linienführung entspricht vollkommen den For- 
derungen unserer Sehwerkzeuge. 
Auf den ersten Blick sollte es fast scheinen, dass die unabsehbare 
Anzahl der Typen dieser Blätter in ihrer scheinbar verwirrenden Viel- 
gestaltigkeit nur der regellosen Laune der Phantasie entsprungen sei. 
Doch sind es gar wenige Urmotive, auf welche die sämmtlichen, auch 
die complicirtesten Blattformen der Maureske in der Hauptsache zurück- 
zuführen sind. 
So wie die wenigen Zeichen des Alphabetes genügen, die überreichen 
Schätze einer Sprache zur Vorstellung zu bringen, so reichen schon 
einige, auf einfachste Art umrissene Flächen hin, durch ihre Combination 
so vielfach variirte Zierformen zu schaEen, dass die Anzahl derselben 
unerschöpflich erscheint und in Wahrheit nicht aufzubrauchen ist. 
Einfache, blattähnliche Formen, gerade gestreckt, oder- rechts- 
und linksseitig - einfach, doppelt und dreifach gekrümmt, dazu 
Scheibchen von mehr oder minder kreisrunder Form, bilden den 
gesammten Schatz der nothwendigen Urelemente der mauresken Blätter. 
Durch das einfache Aneinanderfügen derselben, wobei sich ihre 
Flächen theilweise auch decken können, wird allein schon das Schaffen 
einer unbegrenzten Fülle von Zierformen ermöglicht. 
Doch nicht in ängstlicher Weise, etwa einerseits die Regel als 
bequemes Auskunftsmittel, anderseits als unbekämpfbares Gesetz in's 
Auge fassend, verwendeten die Meister der Maureske dieses Verfahren, 
welches wohl eben seiner verblüffenden Einfachheit halber von selbst zu 
weiterer Bereicherung und Umbildung der Formen führte. 
Das Hinzufügen von kleinen, die Wirkung belebenden Einzeln- 
heiten, das Anbringen von Ausschnitten oder von Durchbrüchen, letztere 
sehr häufig in der Form von mehr oder minder kreisrunden Perforationen 
gestalteten die Formen derMaureske im höchsten Grade abwechslungsreich. 
War bei dem mauresken Ornamente schon die directe Nachahmung 
von Pflanzenformen vermieden und theilweise auch ausgeschlossen, so galt 
dies in noch höherem Grade von Figuren, welche die Gestalt des Men- 
sehen oder eines Wesens der Thierwelt hätten nachbilden können. Auf 
einige der wenigen als Ausnahmen dastehenden Versuche, lebende Wesen 
im mauresken Ornamente anzudeuten, soll noch zurückgekommen werden. 
Es ist gewiss bezeichnend, dass die Europäer in den Mauresken 
noch weniger derartige Gestalten schufen, als ihnen bei directer Nach- 
ahmung von Ornamenten, welche der von Bekennern des Islams bewohnten 
Levante entstammten, möglich gewesen wäre. 
Als die Maureske in Europa in Fleisch und Blut übergegangen, 
vollständig acclimatisirt und selbständig geworden war, hatte sich ihre 
Modif-icirung in der Richtung vollzogen, dass die Anklänge an die styli-
	        

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