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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 2)

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Barockbau in Klosterneuburg schritt, war er es, der zuerst einen Entwurf 
für diesen Bau machte, der nur dem kunstliebenden Probste noch nicht 
glänzend genug war, so dass dann der Entwurf des Allio an seine 
Stelle trat. 
Mit diesem tüchtigen Prandauer vereint also wirkte unser Gran 
und er hatte eine reiche und schöne Aufgabe vor sich. Die einschiffige 
Kirche ist durch Querbögen an der Decke leicht gewölbt, in verschiedene 
Compartimente getheilt; große Fresken reihen sich hier aneinander, und 
zwar in der Anordnung, dass wir in der Kuppel die Glorie der Seligen 
vor Gott Vater, im Presbyterium die Anbetung Gottes im Paradiese, im 
Schiffe den Sturz der Häretiker, an der Seite das Pfingstfest und acht 
Propheten haben. An den Pendentifs der Vierung sind die Riesengestalten 
der vier Evangelisten gemalt, welche scheinbar die Wölbung der Kuppel 
tragen. 
Diese Malereien gehören nun zu den bedeutendsten des Meisters, 
namentlich ist das Bild, welches den Sturz der Häretiker vorstellt, geist- 
reich componirt. Wir sehen hier die allegorische Gestalt der Kirche, 
welche aus der Rechten Blitze auf die Ketzer schleudert, die im wilden 
Titanensturze in die Tiefe hinabfallen. Dabei sind alle Gattungen der 
Häresie charakterisirt. Wir sehen Mohammed, dem im Fluge der Turban 
entfällt; wir sehen Luther, der im altdeutschen Doctorengewande mit 
breitem, weißem Hemdkragen, in die Tiefe stürzend dargestellt ist. Es 
wird uns gesagt, dass die Arbeiten Gran's damals mit einer Summe von 
fi. 60.000 bezahlt wurden. 
Die nächste Arbeit, die er schon zwei Jahre darauf lieferte, ist die 
Ausschmückung des großen Saales des heutigen kaiserlichen Lustschlosses 
in Eckartsau im Marchfelde. Eckartsau gehörte damals der gräflichen 
Familie Kinsky, ist später aber durch Kauf in kaiserlichen Besitz über- 
gegangen. Heute ist leider das Schloss nicht mehr in dem Zustande, wie 
ursprünglich. Man hat anlässlich einer Ueberschwemmung für den Be- 
stand einzelner Theile gefürchtet und den vorderen Theil abgetragen. 
Es cursirt eine nette Erinnerung an ein Wort des Kaisers Franz, der, 
als er sah, wie- man diese Arbeit vollendet hatte, sagte: nNO, Ihr habt's 
mir mein Eckartsau schön zugerichteth- Von diesem Schlosse also sind 
nur mehr Theile verhanden, indessen zum Glücke die wichtigsten, wozu 
auch der große Saal zu rechnen ist. Dieser Saal ist nebst den Decken- 
gemälden Gran's mit großen Gruppen in Marmor ausgeschmückt, deren 
Urheber, der aus Vicenza stammende Künstler Lorenzo Matthielli, auch 
in Wien durch die großen l-lerkulesgruppen auf dem Franzensplatze 
vertreten ist. 
Nun folgen die großen Schöpfungen des Künstlers in der Hof- 
bibliothek. Ich muss aber noch eine kurze Bemerkung vorausschicken, 
welche sich auf seine Verhältnisse im Schwarzenberg'schen Hause bezieht.
	        

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