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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 5)

ventar der Kunstsammlung des Erzherzogs Leopold Wilhelm von Oester- 
reich') zählt von I-Ioefnagel 39 Miniaturen und ein Oelgemälde auf, 
Thiere, Blumen und Früchte, einige Landschaften und Stillleben. Die 
Burgundische Bibliothek zu Brüssel besitzt von ihm eine von allegorischen 
Figuren umgebene Ansicht von Sevilla. Eine Anzahl der von Georg 
I-Ioefnagel gezeichneten Ansichten und Studien hat dessen Sohn Jacob in 
Kupfer gestochen, unter diesen auch 48 Blätter mit Insecten und Blumen 
zu Frankfurt a. M., 1592. Im letzten Jahrzehnte des 16. Jahrhunderts 
hielt sich Georg I-Ioefnagel in Wien auf; sein Todesjahr ist unbekannt, 
nach neuesten Forschungen war er noch 1618 thätig. 
Auch das besprochene Werk war einst im Besitze Rudolfs II. und 
der Anhang, die Blätter 13o--151, sind ohne Zweifel in seinem Auftrage 
ausgeführt worden. Wie in dem von Hoefnagel illuminirten Missale 
Romanum ein goldenes F und der erzherzogliche Hut auf Ferdinand, 
so weisen in unserem Schriftmusterbuche das mehrfach (auf Fol. 130", 
135", 1385, 151") angebrachte goldene R mit der Kaiserkrone, der 
Doppeladler und die Wappen von Ungarn und Böhmen auf Rudolf II. 
als Besteller hin. F01. 151 b trägt unten auch das Datum der Vollendung: 
Absolutum. Anno 1596 und wie schon erwähnt, das Monogramm des 
Malers. Die Illuminirung der Blätter des Anhanges ist in echt nieder- 
ländischem Geiste ausgeführt und erinnert besonders an die Decorations- 
weise des Jacob Floris. Sie besteht aus Randeinfassungen mit Waffen- 
trophäen, Masken, Festons aus Blumen und Früchten, Obelisken, u. s. f.; 
hie und da sind in dem Ornamente auch allerlei scherzhafte Figuren 
angebracht, ähnlich wie bei den Verzierungen des Kalendarinms in dem 
Missale Romanum des Erzherzogs Ferdinand von _Tirol. 
Wann nun das prächtige Buch aus dem kaiserlichen Eigenthume 
gekommen, welchen Weg es genommen, bis es endlich in die Hände seines 
jetzigen Besitzers gelangte, ist mir nicht bekannt. Im Interesse heimi- 
scher Kunstlibung aber muss man lebhaft wünschen, dass dieses schöne 
Denkmal österreichischer Kalligraphie und der Miniaturmalerei in einer 
ölfentlichen Sammlung Wiens eine dauernde Heimstätte finden möge. 
Franz Ritter. 
Ueber den Messkelch. 
Von Prof Dr. W. A. Neumann. 
(Schluss.) 
Bezeichnend für diese Uebertragung der Kelchform des Titus- 
bogens ist das Evangeliar, das für St. Bernwardus geschrieben ist, und 
eine eigenhändige Eintragung von ihm enthält. (Im Domschatze von 
Hildesheim.) Auf dem 16. Bilde ist der heil. Zacharias dargestellt im 
') Jahrbuch der kunsthistor. Sammlungen des Allerh. Kaiserhauses. I., z. Theil, 
Nr. 495.
	        

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