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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 8)

RossPs. Somit erscheint uns Binck, mit dessen Stichweise der Mono- 
grammist J. B. so viel Verwandtschaft zeigt, dass man versucht war, des 
Letzteren Blätter einfach dem Jacob Binck selber zuzuweisen, als einer 
jener Künstler, welcher die italienische Weise recht energisch und ziel- 
bewusst mit der nordischen amalgamirte; und durch seinen Aufenthalt 
an zwei Fürstenhöfen bekam er Gelegenheit, diese Tendenzen auch in 
größerem Maßstäbe zu verkörpern. Seit etwa 1544 war er nämlich in 
Diensten Christian lll. von Dänemark, malt dessen Porträt und das 
seiner Gemahlin Dorothea (jetzt im Museum zu Kopenhagen), begleitet 
1548 die Prinzessin Anna nach Dresden zu ihrer Vermählung mit Herzog 
August von Sachsen und wird dann von seinem Herrn an seinen Schwager 
Herzog Albrecht von Preußen nach Königsberg sozusagen verliehen. 
Dort scheint er, nachdem er auch das Familiengrabrnal Albrechts ent- 
warfen, kurz vor 1569 gestorben zu sein. Das nach seinem Entwurfe von 
einem Niederländer ausgeführte Grabmal Friedrichs l. steht noch jetzt 
in der Dornkirche zu Schleswig; und wenn wir überdies hören, dass 
er ein Bildniss Christian lll. in eine silberne Platte gravirt und sich 
auch auf Festungsbau verstanden habe, so sollte man dem Binck als 
Maler, Zeichner, Stecher, Graveur und Modelleur für Plastik wohl eine 
höhere Stellung als Künstler zugestehen, als dies zu geschehen pflegt. Er 
wäre aber zugleich als Abschluss der ersten Generation von Ornamentisten 
der deutschen Renaissance anzusehen, wenn ich nicht, den Rahmen der 
sogenannten Kleinmeister erweiternd, die drei Augsburger: Daniel, 
Hieronymus und Lambert Hopfer hier noch anschließen möchte. 
Das geschah bisher noch nie, weil sich die Hopfer eben nicht mit dem 
schmalen Rechtecke von einigen Centiruetern für ihre Blätter begnügten: 
aber für die Entwickelungsgeschichte des deutschen Renaissance-Ornamentes 
sind diese Meister einfach unentbehrlich. 
lhre Lebensverhältnisse liegen für uns noch im Dunkel verborgen, so 
dass wir kaum sicher wissen, ob sie alle drei mit einander verwandt waren 
und zu Augsburg lebten; zuverlässig gilt dies nur von Daniel Hopfer, 
welcher ca. 1536 daselbst als Vorstand der Malergilde starb. Wir können 
uns also nur an ihre Werke halten, in denen sie uns aber nicht als 
Maler, sondern ausschließlich als Radirer erscheinen, und zwar ätzten 
die Hopfer nur auf Eisenplatten in einer ziemlich derben Weise, welche 
ebenso gut durch die Art des Materiales, als durch die noch geringe 
Uebung in dieser Technik herbeigeführt sein kann. Aber findigen Geistes 
mögen sie und speciell Daniel Hopfer zuerst Abdrücke von geätzten 
Eisenplatten mit dem besonderen Zwecke gemacht haben, billige Orna- 
mentvotlagen für ihre Kunstgenossen und die Kunstindustrie zu liefern. 
Es war dies ein außerordentlich fruchtbarer Gedanke, welchen uns die 
etwa 230 Radirungen der drei Hopfer aussprechen, eine Art von Ver- 
lagsunternehmen in sehr modernem Sinne, denn sie waren in der Art, 
wie sie sich Stotfe für ihre Publicationen verschafften, durchaus nicht engherzig 
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