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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 8)

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unter byzantinischem EinHusse stehenden Venedig. Für die Heranziehung 
der Malerei zur Ausschmückung von Textilwerken war eine venezianische 
Galeerenliagge bernerkenswerth, mit dem Löwen von San Marco und 
einigem Beiwerk in Gold gemalt auf rother Seide - ein Ueberbleibsel 
des I5. Jahrhunderts. 
Aus der Renaissancezeit waren namentlich Arbeiten in sogenannter 
burgundischer Technik zu sehen, die in Präcision der Ausführung und 
Schönheit der Zeichnung selbst hinter den berühmten Gewändern des 
goldenen Vließes nicht zurückstehen. Die hervorragendsten Stücke dieser 
Art waren "ein Antependium aus dem Mailänder Domschatze und ein 
anderes aus dem Ospedale della Scala in Siena, ferner Casel und Mitra 
aus den Sammlungen des Museo civico zu Perugia. Von Werken der 
sogenannten Nadelmalerei wäre zu erwähnen eine vorn Museo civico zu 
Turin eingesandte Stickerei mit den weiblichen Repräsentantinnen der 
vier Elemente in ornamentaler Umgebung, die in Technik, allegorischem 
Charakter der Darstellung und Unklarheit der ehemaligen praktischen 
Verwendung die engste Verwandtschaft mit einer vom Oesterr. Museum 
erworbenen gleichartigen Cinquecento-Stickerei zeigt. 
Von Spitzen waren natürlich die altvenezianischen Arten am zahl- 
reichsten vertreten, ihnen zunächst die französischen. Wer dem Kataloge 
Glauben schenkte, konnte auch die venezianische Urspitze bewundern. 
Der Katalog bewies aus den darauf befindlichen Initialen des Papstes 
Martin V. Colonna ganz zweifellos, dass die Arbeit vor 14.30 - dem 
Todesjahr des Papstes - entstanden sein musste, daher das älteste 
venezianische Spitzengenre repräsentirt. Für den Kenner freilich war 
es ebenso zweifellos eine vortreffliche spanische Goldspitze aus dem 
I6. Jahrhundert. 
Ganz außerordentlich reich war die Ausstellung an Wandteppichen. 
Kaum irgend eine Fabricationsstätte von Gohelins erschien übergangen. 
Das meiste Interesse beanspruchten natürlich die im Auslande nur sehr 
wenig oder gar nicht gekannten Werke italienischer Herkunft, namentlich 
die Barberinischen Teppiche aus der Zeit Urban's VIlI., nach Cartons 
von Malern der späteren römischen Schule, Romanelli und Consorten. 
Auch die zahlreichen Gobelinfabriken der italienischen Fürstenhöfe des 
18. Jahrhunderts waren vertreten, so Neapel und Turin. Von ihnen allen 
ist zu sagen, dass sie weniger schön als rar sind. 
Der modernen Textilkunst war ein großer Raum gegeben. Die ober- 
italienischen Seidenweber sind dem Zuge der Zeit gefolgt und bei der 
Archäologie in die Schule gegangen; die meiste Anleihe machen sie 
gegenwärtig bei der Barockzeit. Die moderne venezianische Spitzen- 
industrie. ist in der Wiedererweckung der alten Techniken ziemlich vor- 
geschritten; minder zu loben ist die vielfach unreine Zeichnung. Was 
von modernen Stickereien ausgestellt wurde, ist eben, wie es hei derlei 
8.
	        

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