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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 8)

A}. 
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3.4 
 
 
 
bar, dem eben damals, im Jahre 1795, die Reichsgralen! 
würde verliehen worden war, sich und seiner Familie mit 
diesem imposanten Bau ein bleibendes Monument setzen 
und handelte so ganz im Sinne des Standes- und Reprä- 
sentationsbewußtseins der Baroekzeit, als deren später 
Nachlahrc er sich damit erwies. Daß solche Beweggründe 
für den Grafen maßgebend waren, geht daraus hervor, 
daß er das Wappen, geziert mit der Grafenkrone, an be- 
herrschender Stelle der Front anbringen ließ, die Na- 
mensänderung des Schlosses von Nieder-Hausegg auf 
Stiebar erwirkte und so tatsächlich die Erinnerung an 
seine Famile für alle Zeilen gewährleistete. Den großen 
Veränderungen am Außenbau folgte eine ebenso ein- 
schneidende Umgestaltung des Innern. Die Überlieferung 
weiß zu berichten, daß die „altdcutschen" Öfen und das 
„altdeutschc" Mobiliar, worunter wohl Öfen und Möbel 
der Renaissance zu verstehen sind sowie zahlreiche Bil- 
der damals aus dem Schloß entfernt wurden und seitdem 
verschollen sind. Einzig die schöne spätgotische Kapelle 
blieb unberührt, weil, neben der Ehrfurcht vor dem ge- 
weihten Ort wohl auch die Architektur dieses Raumes 
der damals aufkommenden romantischen Vorliebe für 
das Mittelalter entsprach. 
Der originellste Raum des Schlosses, der nahezu voll- 
ständig sein Aussehen und seine Ausstattung seit damals 
bewahrte, ist das japanische Kabinett. Den Wandschmuck 
bilden farhige Tapeten, die auf Papier gemalt, auf 
Leinwand aufgeklebt und in schwarz lackierte Holzver- 
täfelungen eingespannt sind. Das große Mittelfeld wird 
von einem blauen Vorhang eingenommen; die flankie- 
renden Seitenfelder zeigen eine Grotesken-Dekoration, 
zu deren Aufbau Motive verwendet wurden, wie sie Jean 
Berain schon hundert Jahre früher erfunden hatte, nur 
daß sie hier dem damals herrschenden Stil entsprechend 
vereinfacht sind. Alles ist zarl', schwebend und etwas 
zusammenhanglos hingesetzt. An der Schmalseite des 
Zimmers hat der Tapetenmaler Gcnreszenen in recht- 
eckigen Feldern ühereinander angeordnet, Chinoiserien, 
die abwechselnd in blauen und roten Farbtönen ausge- 
führt sind. So stellt die Ausstattung dieses Zimmers eine 
 
1 Tulsciligc Front mit dem 
Kapellenlurm. 
2 Ansicht des Schlosses mit 
der Hauptfassade. 
3 Treppenhaus mit klassi- 
zistischem Sthmißdßßisßfnßm 
Geländer und alter Beleuch- 
tungsvorrichtung. 
4 Gang im ersten Stockwerk 
mit afrikanischen jagdlro- 
phiien. 
5 Bildcrgang. Vorwiegend 
Gemälde der ersten Hälfte des 
19. Jahrhunderts. 
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