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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 8)

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welcher ein längliches Viereck mit abgestumpften Ecken bildet; er dient 
als gemeinsamer Speisesaal. Die Wände sind rnit schwarz und ockergelb 
geflecktem Marmor und entsprechender Stuccatur incrustirt, dazwischen 
aber zahlreiche große Panneaux, von feinstem Marmorcementguss von 
Hutterer ausgeführt. Ihre graziöse, jedesmal nach verschiedener Erfindung 
gehaltene Ornamentik ruft uns die Grotesken des Vatican, aber zugleich 
auch die prunkvollen Entwürfe Berrain's in's Gedächtniss; denn die 
Decoration des herrlichen Saales will sich als Renaissance im Sinne 
modernster Empfindungsweise geben. Die Embleme, die zierlichen Figuren 
haben auf Jagd- und Landleben Bezug, sowie Tilgnefs Kindergruppen 
in den Supraporten-Reliefs der fünf hohen Thüren ebenfalls Jagd- und 
Gartenbau, Fischfang u. dgl. Beschäftigung andeuten. Das gewaltige 
Ovalfeld des reichgegliederten Plafoirds nimmt Tilgnefs großes Stucco: 
v-Aurora schwebt vor dem Wagen des Sommers durch die Lüfteu, ein, 
eine poetische Composition, welche der Künstler in einer seit der Periode 
unserer großen Barockmeister vergessenen Technik sehr glücklich zur 
Ausführung gebracht hat. ln den rückwärtigen Ecken des Saales bilden 
zwei Nischen Rocaillegrotten, in welchen Wasser über die Muscheln 
plätschert; die Kinderhguren hat ebenfalls Tilgner gemeißelt. Der Spiegelv 
kamin zur Rechten von dunkelgrünem Marmor enthält ein kleines, höchst 
detaillirt behandeltes Bronzerelief: v-Prometheus stiehlt dem Sonnengott 
das Feuern, von ScharH 1885 vollendet, vielleicht sein bestes Werk. 
Stühle und Tische sind meist mit feinem Blümchenmuster decorirt, auf 
Rococotischen stehen kostbare, alte chinesische Porzellangeschirre, Fest- 
lichkeit und gemüthvolle Prächtigkeit ist in diesem schönen Raume auf's 
Glücklichste vereinigt, der Blick auf das Gartcnparterre und über die 
Wälder hinaus auf die Wiener Ebene verleiht ihm ganz besonderen Reiz. 
Rechts von hier gelangt man in die Appartements lhrer kais. Hoheit 
der Frau Erzherzogin Marie Valerie. Sie sind im Charakter des Rococo 
heiter geschmückt, einzelne Möbel und Panneaux mit Engelköpfen und 
Blumen von Frau Max-Ehrler in zarter Weise bemalt. Von hier führt 
die erwähnte Wendeltreppe des schönen Stiegenthürmchens hinauf in die 
Wohnräume Ihrer Majestät, ein kleiner Prachtbau von weißem Marmor 
aus Laas in Tirol. 
Auf der linken Seite des Entree's liegt das Stiegenhaus, welches in 
der ganzen Höhe des Hauses emporsteigt. Es ist ein Raum von eigen- 
artigem Reiz. Gänzlich mit braunem Holz getäfelt (von Hoftischler Paulik) 
hat es gleich dem Vorsaal deutschen Renaissance-Charakter; der Fuß- 
boden ist mit schwarzem und weißem Marmor gepflastert. Die um die 
Wände im Winkel laufende Treppe ist mit Stufen von Sterzinger Marmor 
versehen, über welche Teppiche gebreitet sind. Ein Meisterwerk öster- 
reichischer Kunstidustrie muss man das Treppengeländer nennen, welches 
im reichsten Renaissancestil aus Eisen und Bronze von Milde und Hanusch 
gearbeitet ist; von Letzterem rühren auch die bronzenen Armleuchter
	        

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