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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 9)

Denn thatsächlich basirt das Rahmenwerk mehr auf der Tischlertechnik, 
das Rollwerk mehr auf jener des Kunstschlossers mit eingerolltem Blech. 
Zuerst treten diese Formen selbstverständlich einfacher auf, dann aber 
verdoppeln und verdreifachen sich die Rahmen, über- und durcheinander 
greifend und verbinden sich mit Voluten oder Einrollungen in der Art 
von eingerolltem Blech oder Leder. 
Die Flächen des Grundes um und zwischen den Rahmen bereichern 
sich aber bald mit dem zweitgenannten Motive, dem orientalischen 
Flachornament, welches man Arabeske oder Maureske zu nennen gewohnt 
ist, jenem einfachen und doch so reizvollen Spiel von Linien, schwarz 
auf weiß oder umgekehrt, im ersten Anscheine eines dem anderen gleich 
und doch in endloser Harmonie und Variation unbeschreiblich, tausend- 
fach verschieden. Wann dieses neue Ornamentmotiv in Mitteleuropa auf- 
tauchte, ist natürlich nicht jahresgenau anzugeben, aber im höchsten 
Grade muss es überraschen, dass es uns in Egenolf's Spitzenmuster- 
buch von 1527 bereits ziemlich formengerecht begegnet. Von Holbein, 
dem geschmackvollsten der deutschen Renaissancemeister, wurde in 
jüngster Zeit eine große Zahl von Ornamentzeichnungen mit reiner 
Maureske veröffentlicht und Anderes, wie seine niellirten Kannen und 
der berühmte Pocal, welchen er im Auftrage Heinrichs Vlll. für dessen 
dritte Gemahlin Jane Seymour entworfen hat, war mit seiner orienta- 
lischen Grundfüllung schon länger bekannt. Als der eigentliche Orien- 
talist unter den deutschen Ornamentisten ist aber Peter Flötner aus 
Nürnberg anzusehen, dessen Kunstbüchlein, sowie die mit seinen Vignetten, 
Schluss- und Zierleisten 155g in _Zürich erschienene römische Kaiser- 
cbronik eine unerschöpfliche Fundgrube von Motiven für eingeätzte und 
Niello-Ornamentik enthält. Vielleicht hat auch jener abenteuerliche, viel- 
gereiste und originell veranlagte Augustin Hirschvogel, Graveur, 
Modelleur, Glasmaler, Stecher, Geometer und Geograph, welcher unter 
Anderem auch unser dalenatinisches Küstenland bereiste und 1552 in 
Wien starb, nicht wenig zur Verbreitung jenes orientalischen Linien- 
und Bandornamentes mit schwachen Mahnungen an natürliche Pflanzen- 
formen beigetragen. Wenigstens finden wir die Maureske auf mehreren 
seiner Blätter aus den Jahren 1543-1547. Später wendet sich jedoch 
Hirschvogel voll und ganz wie kein Anderer der Groteske zu, in Dolch- 
griffen, Scheiden, Füllungen und seinen bekannten Gefäßentwürfen mit 
den bizarrsten Formen, wo alle Elemente der italienischen, deutschen 
und orientalischen Decoration in üppigster Verbindung durcheinander 
spielen. Eine Erklärung für das öftere Vorkommen und das schließliche 
Aufsaugen der Maureske in die deutsche Ornamentik liegt für uns darin, 
dass durch die Handelsverbindungen besonders Venedigs mit dem Oriente 
und dann durch die erneuten Kriege mit den Türken zahlreiche Walfan- 
stücke, Buchdeckel und verzierte Handschriften nach dem Abendlande 
gelangten, und seit den Dreißiger Jahren des Jahrhunderts wissen wir
	        

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