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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 9)

wand nimmt der Kamin von Porto-Venere, schwarz mit gelblichen 
Adern, ein; darüber befindet sich das lebensgroBe Porträt Ihrer Majestät, 
das letzte Werk Raab's, wie uns dünkt, eine seiner glücklichsten Arbeiten. 
Die Simse der Wandverkleidungen sind mit Poterien und Statuetten, 
darunter Rathauskfs Husar und Dragoner, besetzt; an den Wänden hängen 
Oelbilder von Schönn, Thiele, Friedländer, Ruß, Schindler, Charlemont 
u. A; die Decke schmückt ein mit Greifen gezierter reicher Bronzeluster 
von Hanusch. Bei dem ersten Fenster steht der Schreibtisch des Monarchen. 
Das anstoßende Schlafzimmer hat wieder eine Reihe werthvoller 
Bilder, unter welchen das vom Künstlerhause her allgemein bekannte 
große Gemälde des Jägerangriffes von Knssak, eine Landschaft Onken's 
und das lebensgroße Pastellporträt einer Prinzessin des bayerischen Hauses 
von Piglheim hervorragen. Der Ofen ist hier in Blau auf Weiß sehr fein 
decorirt, die Wände überziehen Seidentapeten in Eau-de-Nil mit appli- 
cirten dunkelrothen Bordüren; auch wäre von alten Schränken in Holz, 
Elfenbein u. A. Manches anzuführen, theils hier, theils in der Cabinets- 
kanzlei und Garderobe. Der Plafond zeichnet sich durch besonders schöne 
Eintheilung aus, die Tönung ist wie bei den übrigen von Falkenstein 
ausgeführt. 
Gegenüberliegend eröffnet die Reihe der Appartements Ihrer Majestät 
der Salon - ein wahres Wunder von prachtvoller Ausstattung und 
zugleich ein Museum alter Kunstschätze. Der Hauptcharakter, in welchem 
die Ausschmückung gehalten, ist der Stil Louis XVL, jedoch in gänzlich 
freier, moderner Durchführung. Die Wände leuchten in feinem Creme- 
ton, reizende Reliefs trennen etwas dunkler sich davon ab, treffliche 
Leistungen des Ateliers Schönthaler; den Plafond haben Klimt und Matsch 
mit Genien und schwebenden Mädchengestalten bemalt, die sich, mit 
Blumengewinden beladen, vom blauen Aether abheben. Die beiden hoch- 
talentirten Maler haben da eine neue Probe von Geschmack und frischer 
Darstellungsweise gegeben. In dem Rahmen solcher Wände- und Decken- 
decoration stellt sich nun eine Fülle von Kunstobjecten der mannig- 
fachsten und prächtigsten Beschaffenheit dar, so reich und merkwürdig, 
dass man ein Inventar liefern müsste, um einen annähernden Begriff von 
der Einrichtung des Salons zu geben. S0 möge denn nur auf Weniges 
hingewiesen werden, denn auf Etageren, Tischen und Schränken wimmelt 
es von Bijoux, Bisquits, Bronzen, Miniaturen, Statuetten, Porzellans, 
Glasgefäßen etc.; an den Wänden sind Oelgemälde alter und neuer 
Meister gereiht. Der größte Theil dieser Antiquitäten, sowohl hier als 
überhaupt in der Villa, stammt aus dem Besitze weiland Ihrer Majestät 
Kaiserin Maria Anna. Die außerordentlich schönen Empire- und Louis- 
seize-Möbel sind da vor Allem zu erwähnen, unter ihnen wieder ein 
Tischkasten mit wundervollen Bronzen, innen für hunderterlei Services 
eingerichtet. ein Prachtstück ersten Ranges, dessen Lieferant sich Francois 
Mayer, marchand Bijoutier a la Ville de Carlsbad a Vienne nennt. Merk-
	        

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