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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 10)

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einem Stücke der ehemaligen Sammlung Campana. Es imitirt einen 
Blumenkranz in der Art, dass die verschiedenen Blüthen und Blätter 
aus kleinen ausgeschnittenen Goldblättchen bestehen, die an einem 
Goldstreifen befestigt sind, der unten die Form einer Astragalschnur hat. 
Nach oben endet dieser Kranz in aufrechtstehende Palmetten, die mit 
granulirtem Golddraht eingefasst und emaillirt sind. Die kleinen Blumen 
haben grüne Glasperlen in der Mitte. Es ist dies eines jener wenigen 
auf uns gekommenen Diademe, welche gemacht worden sind um getragen 
zu werden und nicht blos als Leichenschrnuck gedient haben. Zu dieser 
Gattung dürften wohl auch zwei einander sehr ähnliche Diademe aus 
der Krim zählen, die auf ihrer Oberhäche die Wellenlinien des Haupt- 
haares imitiren. Eines davon wurde im Grabe jener Demeter-Priesterin 
gefunden und zeigf an beiden Enden noch sitzende Nikefiguren. Endlich 
sei noch ein sehr origineller Kopfschmuck aus der Krim erwähnt, der 
im Gegensätze zur aufstrebenden oder bandartigen Form anderer Diademe 
aus herabfallenden, amphoraartig gebildeten großen Tropfen besteht. 
Dieselben hängen an Rosetten und sind mit feiner Filigranarbeit verziert, 
die Rosetten aber werden von aufrechtstehenden Stäbchen festgehalten, 
die an einem Verbindungsbande sich aneinanderreihen. Dieser Stirn- 
schmuck ist aus dern Grunde besonders interessant, weil er eine stili- 
stische Eigenthürnlichkeit des antiken Schmuckes aufweist, welche ganz 
besonders den Halsbändern, dann aber auch den Gürteln u. s. w. eigen 
ist. Wir meinen die Bereicherung des Ringschmuckes mit dem Behang, 
also die Combination zweier ihrem Wesen nach getrennter Gattungen 
des Schmuckes. Die zu Grunde liegende ästhetische Absicht ist dabei 
nicht zu verkennen; es galt, die natürliche Härte und Starrheit, welche 
dem Ringschmuck eigen ist, zu mildern, ihn zierlicher und schmieg- 
samer, vor Allem aber lebendiger zu gestalten. 
Ganz anders geartet und für den Schmuck der Todten bestimmt 
sind die nach Art der Blumen- und Blätterkränze gebildeten Haupt- 
zierden. Dieser nur mit dem geringsten Aufwand an Arbeit und 
Materia'l hergestellte Goldschrnuck besteht in der Regel aus Lorbeer-, 
Oliven-, Epheu- oder anderen Blättern, die aus sehr dünnem Goldblech 
herausgestanzt und mittelst Draht an einem Zweige oder auf einem 
flachen Goldstreifen befestigt, wohl auch auf einem Woll- oder Leinen- 
streifen aufgeklebt sind. Noch in der Blüthezeit kam die Sitte auf, in 
der Mitte der goldenen Kränze und Tänien, mit welchen man das Haupt 
sowohl im Leben als auch im Tode zu schmücken pflegte, da wo die 
von beiden Seiten her gelegten Bänder oder Blätter auf der Stirn zusammen- 
trafen, einen besonderen Schmuck anzubringen. Wir finden an dieser 
Stelle runde oder auch viereckige Ornamente, Medaillons von Gold oder 
Edelstein, Rosetten, Gorgoneia oder einfach den Abdruck einer Münze. 
Welcher Luxus aber mitunter bei solchen Kränzen getrieben wurde, das 
zeigt der berühmte Todtenkranz des Münchener Antiquariums, der 1813 
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