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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 10)

Reihe von werthvollen Zeichnungen zum Geschenke gemacht. Es sind 
dies 9 Blätter Originalaufnahmen von Wand- und Plafond-Decorationen 
(aus den Ausgrabungen nächst der Villa Farnesina in Rom), 5 Blätter 
darunter farbige Restaurationen von Ad. Ginzel und die Aufnahme einer 
Deckenmalerei im Palazzo Ducale in Mantua. Die Glassammlung des 
Museums wurde von Sr. Durchlaucht um drei venezianische Gläser nach 
' antiken Vorbildern vermehrt. - Der Bronze-Kunstgießer Herr C. Hoh- 
mann hat dem Museum eine von Bildhauer Schörk modellirte kleine 
Bronze-Statuette, eine Aegypterin, zum Geschenke gemacht, deren Her- 
stellung für die Technik des Bronzegusses insoferne von Interesse ist, 
als das an der Luft getrocknete Thonmodell in Sand geformt und dann 
ausgegossen wurde, ohne dass das Modell Schaden litt. Die Statuette, 
welche eine Höhe von o'34 Meter hat, ist nicht ciselirt und trägt eine 
grünlich-braune Patina; sie ist im Saale V ausgestellt. 
(Neue Erwerbungen.) Das Oesterr. Museum hat in jüngster Zeit 
ein Pluviale erworben, das sowohl wegen seines künstlerischen Werthes 
als auch seiner Geschichte halber Interesse verdient. Dasselbe ist ein 
Prachtstück orientalischer Seidenweberei und zeigt ein äußerst dichtes 
Blumenmuster in persischer Stilisirung, in Gelb und Gold auf rothem 
Atlasgrund. Einer verbürgten Tradition zufolge wurde der Stoß beim 
Entsatze Wiens 1683 von den Polen erbeutet und in eine Kirche ihres 
Heimatlandes gestiftet. Als Rauchmantel wurde er vor Kurzem in Zolkiew 
aufgefunden, von wo er durch Kauf in den Besitz des Oesterr. Museums 
übergegangen ist. 
(Besuch des Museums.) Die Sammlungen des Museums wurden im Monate 
September von 8004, die Bibliothek von x30; Personen besucht. 
(Kunstgewerbeschule) Der Unterricht im Actzeichnen an der 
Kunstgewerbeschule, welcher bisher von den verschiedenen Professoren 
getheilt besorgt wurde, wird fortan von einer einzigen Lehrkraft gegeben 
werden. Derselbe ist vom Minister für Cultus und Unterricht dem Histo- 
rienmaler Andreas Groll übertragen worden. 
(Chemisch-technische Versuchsanstalt.) Das Ministerium für 
Cultus und Unterricht hat den Adjuncten Dr. Friedrich Linke bis auf 
Weiteres mit der provisorischen Leitung dieser Anstalt betraut. 
Literatur - Bericht. 
Guide for drawing the acanthus, and every description of ornamental 
foliage, by J. Page. London, Bernard Quaritch, re-printed 1886. 
8". 245 S, über 200 Holzschnitte, 53_Radirungen. 
Die Absicht des Verfassers geht dahin, die englischen Kunstjünger zum selbstän- 
digen Entwerfen anzuleiten, zu welchem Zwecke ihm eine Darlegun der Regeln für 
das Zeichnen ornamentalen Blnttwerkes besonders geeignet erscheint. Es wird auch mit 
dem Akanthus begonnen, mit curvilinearem Blattwerke und Ausgangspunkten für solches 
fortgefahren; die folgende größere Hälfte des Buches füllen Excurse über Trophäen, 
franzüsieches oder Louis XIV-Ornament (worunter aber oKenbar das Rococo verstanden 
ist), Miander, Arnbesken, den englischen Renaissnncestil, die Gothik, die Elemente der 
Plnnimetrie, endlich ein Capitel über Simsproüle. Ebenso wunderlich als die dem Titel 
so wenig entsprechende Gesammtanordnung ist das Detail. Der Verfasser ist ein red- 
seliger Praktiker, der nicht müde wird zwischen den einzelnen guten Winken, die er 
den Schülern gibt, in behaglicher Breite aus seiner reichen Erfahrung zu erzählen, seine 
bedenkliche historische Erudition zu zeigen _und die Trelflichkeit dieses seines Buches
	        

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