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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 10)

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(A110 Münzen.) Die nBrünner Ztg.- berichtet: elm Früjahre 1886 wurden bei 
Oimütz zahlreiche Münzen gefunden. Es ist seitdem den Bemühungen eines mahrischen 
Münzforschers gelungen, mehr als hundert verschiedene Stempel der Münzen jenes Fundes 
im Originale oder im Abdrucke zu erwerben und denselben vollständig zu beschreiben. 
Dieser Münzschatz wurde am Charfreitag von einem Bauer in der Gemeinde Rakwitz 
(Bezirk Auspitz) durch Umackern einer Oedung zu Tage gefördert. ln einem unglasirten 
grauen Topfe, der ausgeackert wurde, befanden sich bei 2400 Silbermünzen (Denare) 
aus dem 11. und 12, Jahrhundert, darunter, zumeist mahrischeu Gepräges der damaligen 
Theilfürsten, solche mit Petrus-Legenden, jedoch auch mit jenen des heil. Johannes, 
Nicolaus und Wenceslaus. Die Münzen gehen bis auf Wratislaw Il. (Herzog von Olmütz 
von 105; bis 1086), den späteren König, zurück und reichen bis in die ersten Jahre 
Sobieslav's I. Da von demselben nur wenige Stücke vorhanden waren, so wird die Ver- 
grabung in das unruhige Jahr 112.6 versetzt, in welchem Sobieslav den mährischen Herzog 
Bietislav gefangen nahm und so die Action der Herzoge Wratislav und Konrad brach- 
legte. Neben diesen schon runden, kleinen mahrisch-bühmischen Denaren waren noch 
etwa 400 Stück größerer Münzen vorhanden, die einen ganz anderen Typus zeigten. Das 
Gepräge war roh, der Rand ungleich, oft wie beschnitten, das Schrot großer, das Korn 
feiner. Dieselben scheinen osterreichisch-bayerisches Gepräge zu sein und theils aus der 
Regensburger Münzstatte der bayerischen Herzoge Welf l. (io7r bis rtol) und Welf ll. 
(nur bis 111.0), theils aus der Wiener Münzstatte der österreichischen Herzoge Leo- 
pold lIl. (1082 bis 1096) und Leopold lV. des Heiligen (1096 bis 1x07) zu stammen. 
Die lnschriften dieser Münzen sind meist confus und dürften kaum dechilirirbar werden. 
Die große Anzahl dieser Münzen im Funde, ein volles Sechstel, deutet auf einen regen 
Verkehr Mahrens mit Oesterreich in dieser so frühen Zeit hin. Durch diesen Münzfund 
ist weiter über allen Zweifel gestellt, dass das Münzrecht von Seite der mahrischen 
Fürsten factisch ausgeübt wurde. Durch diesen Fund wird weiter nachgewiesen, dass 
sich die Verehrung der beiden Slaven-Apostel Cyrill und Methud sehr verloren haben 
musste, da deren Namen auf keiner jener Münzen vorkommen, wohl aber neben dem 
Landespatron St. Petrus der heil. Johannes der Täufer und der aus Ocsterreich über- 
nommene St. Nicolaus, der dort vor Leopold dem Heiligen verehrt wurde. Auch echte 
r-Brünner Kinder: sind in diesem Funde vertreten, mit den Brustbildern des heil. Petrus 
auf der einen und des heil. Johannes auf der anderen Seite. Eine merkwürdige Münze 
Wladislav's tragt dessen Namen mit einem Kirchengebäude auf der einen und einer 
Teufelsfratze mit der deutlichen Inschrift SATANAS auf der anderen Seite, ein numis- 
matisches Curiosum ohne Beispiel! Mehrere Münzen zeigen an dem Kopfe des Münz- 
herrn so charakteristische Merkmale, dass mit Grund auf eine Portratahnlicheit geschlossen 
werden kßlllkn 
(Die Funde von Saokrau) im Museum vaterlandiseher Alterthümer zu Breslau 
gehören in mehr als einer Beziehung zu den merkwürdigsten ihrer Art. Sackrau ist ein 
Dorf nahe bei Breslau, Eigenlhum des bekannten Kunstfreundes Stadtrath Korn, und 
dort sind durch dreimaliges Nachgraben zahlreiche Gegenstände an's Licht gebracht 
worden, welche, an sich sehr werthvoll, durch ihre Vereinigung auf einem Flecke eine 
Vorstellung von dem Kunsthandel vor beinahe zwei Jahrtausenden geben. Neben romi- 
schen Münzen aus dem zweiten Jahrhundert fanden sich nämlich Milleiiorischalen von 
vorzüglicher Erhaltung, darunter auch eine jener purpurnen mit weißer lncrustation, 
welche Nesbitt für die Nachahmungen der murrhinischen Gefäße halt, Bruchstücke von 
Bronzekesseln wie die assyrischen und Goldschmuck ausgesprochen nordischen Cha- 
rakters. Herr Korn hat neuerdings ein nachahmenswerthes Beispiel patriotischen Sinnes 
gegeben, indem er die ganze Sammlung dem Museum überließ und nur für die Gold- 
sachen sich das Fligenthumsrecht vorbehielt. 
(Fälschung von Pfahlbau-Alterthümern.) Es ist bekannt, dass eigene Fabriken 
bestehen; um römische und ägyptische Alterthümer nachzumachen, die dann als echt in 
den Handel gebracht werden; wir wissen ferner, dass in Concise am Neuenburger Seei 
italienische Arbeiter, angelockt durch den hohen Preis, Pfahlbau-Alterthumer nachmachten 
und als echt verkauften. ln Thayngen (Cant. Schaffhausen) hat man sich auf die Fabrication 
von gravirten Zeichnungen (Bar und Fuchs) auf Knochen aus der dortigen Rennthier- 
hohle verlegt. Die nAntiqual (herausgegeben von einem Consortium schweizerischer 
Alterthumsfreunde), meldet wieder von solchen Fälschungen. Am Neuenburger See haben 
sich Falscher auf die Fabrication von durchbohrten Steinheilen, sowie von steinernen 
Armbändern in der Form der Armbänder aus Bronze, ferner von Pferdegebisstheilen aus 
Hirschhorn, Armspangen, Dolchklingen und Rasirmessern aus Bronze etc. geworfen und 
dem Berner Antiquarium zum Kauf angeboten. Der Director Dr. Ed. v. Fellenberg und 
der Custos Eduard v. Fenner erlassen daher bezügliche Warnungen. (rN. Zürch. Ztgni) 
Für ai} Redacüon verantwortlich: Jfrnnrrrir} und i". am". 
Selbstverlag du k. k. Oetterr. Museums für Kunst und Industrie. 
Bnrhtlmclrrtl Vdll Cul Geraldü Bahn n. Wien.
	        

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