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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 10)

 
Granatapfel oder einen Greifenkopf tragen '). Trotz des hohen Alters dieser 
Stücke ist die Arbeit eine vorzügliche. - Schließlich sei noch eine Form 
von Ohrschmuck angeführt, welche namentlich in Italien sehr häufig 
angetroffen wird und sowohl in ganz einfachen wie in sehr reichen Bil- 
dungen vorkommt. Das Grundmotiv besteht aus zwei ineinander gefügten 
Ringen, von welchen der zweite nicht viel mehr inneren Spielraum besitzt, 
als die Breite des ersten Ringes beträgt. Dieser kleinere Ring sitzt am 
oberen Drittel des größeren fest und bildet hier den Kern einer sich 
mehr oder weniger reich entwickelnden Ornamentation, während am 
unteren Ende des größeren Ringes Kugelpyramiden und sonstige aus Kü- 
gelchen bestehende Verzierungen angebracht sind. Da dieses Motiv nicht 
selten auch beim Todtenschmuck für Ohrplättchen verwendet wurde, hat 
sich dasselbe häufig stark in die Breite entwickelt und zeigt in diesem Falle 
zahlreiche interessante Variationen, Bereicherungen durch figurale Zu- 
thaten u. s. w., wie dies unter Anderem bei einigen Exemplaren der 
Sammlung des Louvre zu sehen ist. 
Entgegen dem Behang, den wir bei civilisirten Völkern nur mehr 
als Ohrring kennen und der seinem Wesen nach ein symmetrischer 
Schmuck ist, bezeichnet Semper den Ringschmuck als einen vorzugs- 
weise proportionalischen, indem dieser Schmuck die Beziehung betont, 
in welcher einzelne Theile der Erscheinung zu einander stehen. Zu 
dieser Gattung desiSchmuckes gehört, wie erwähnt, vor Allem der 
Gürtel, der Halsschmuck und das Diadem. Unzählig sind die Diademe, 
Tänien und Kränze, welche wir auf Vasengemälden dargestellt finden. 
In der Regel ist es ein einfaches Stirnband, ein Lorbeer- oder Blumen- 
kranz, aus denen sie gebildet. Griechen und Römer liebten es bekanntlich 
bei zahlreichen Gelegenheiten, in der Festesfreude wie bei religiöser 
Feier ihr Haupt zu bekränzen, und nur selten mögen es goldene Kränze 
gewesen sein, deren sie sich dabei bedienten, und auch von goldenen 
Diademen sind nur wenige Beispiele erhalten. Wenn es aber galt, das 
Haupt eines geliebten Todten zu schmücken, da wählte man gerne das 
edle, unvergängliche Gold. Und so ist es denn auch größtentheils speciell 
für die Leichenfeier angefertigter Schmuck, was an goldenen Kränzen, 
Diademen und sonstiger Hauptzier auf uns gekommen ist. Die ältesten 
Beispiele bieten mehrere von Schliemann gefundene Stirnzierden, die wir 
ohne Bedenken als Kopfschmuck für Lebende ansehen dürfen. Wir 
lernen dabei schon für jene älteste Zeit zwei Arten kennen, und zwar 
eine Gattung, bei welcher der Ringschmuck mit dem Behang in Ver- 
bindung steht, und eine andere, bei welcher er selbständig ist. Zur ersten 
Gattung gehört ein trojanischer Stirnschmuck, dessen Seitentheile sich 
längs der Wangen fortsetzen und bis _auf die Schultern herabfallen "). 
') Matthias a. a. O. Taf. m, Fig. 
") Schliemann, llios, Nr. 685.
	        

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