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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1887 / 12)

schulen gesammelt. Director Müller fand die Einrichtung dieser österrei- 
chischen Anstalten so nachahmenswerth, dass er sowohl deren Lehrplan 
als auch die Bestimmungen über die Aufnahmsbedingungen als Vorbilder 
empfahl und sowohl die gediegenen Arbeiten der Lehrwerltstätte in 
Bozen, als auch den segensreichen Einfluss dieser Schulen auf die Hebung 
des Gewerbes rühmend constatirte. Die Versammlung beschloss denn 
auch, die einschlägigen Modificationen an dem Programme der neu zu 
errichtenden Fachschule nach dem Antrage des Directors Müller, resp. 
nach österreichischem Muster vorzunehmen. 
(Deutsch-nationale Baugewerbe-Ausstellung zu München im Jahre 1888.) 
In richtiger Erfassung der Bedeutung, welche einer künstlerischen Darstellung der Lei- 
stungsfähigkeit der einzelnen Staaten, Provinzen und Städte auf dem weiten Gebiete des 
Kunstgewerbes zukommt, haben sich bereits an hervorragenden Pßegestatten desselben 
Landescomitfs gebildet, welche sich mit Begeisterung und Opferwilligkeit der schwie- 
rigen, aber auch dankbaren Aufgabe der Organisation von Landes-Ausstellungen unter- 
ziehen. Derartige Comit6's bestehen bereits in Karlsruhe, Darmstadt, Dresden, Frankfurt, 
Hanau, Magdeburg und Stuttgart, während sie anderwarts, wie in Hannover und Olden- 
burg, in der Bildung begriffen Sind. In Nürnberg hat das bayerische Gewerbemuseum 
die Agitation im Interesse des Unternehmens übernommen; für Elsass-Lothringen ist 
der kaiserliche Senats- und Universitats-Secretar Dr. Scliriclter als Landescommissar der 
Ausstellung ernannt worden. Von den Directoren der konigl. Kunstgewerbeschule in 
Nürnberg, sowie des pfälzischen Gewerbemuseums in Kaiserslautern ist das Arrangement 
von Collectiv-Ausstellungen zugesagt. Nicht minder lebhaft zeigt sich die Theilnahme 
der einzelnen Kunstgewerbetreibenden, und mussten in Folge der außerordentlich zahl- 
reichen Anfragen bereits über 8000 Programme nebst Anmelde-Formularen versendet 
werden. In bedeutender Anzahl gelangen taglich die Anmeldungen, darunter solche von 
den hervorragendsten Firmen Deutschlands mit ausgedehntem Raumbedarf in den Einlauf 
des Directoriums. -Abweichend von den bisher hier abgehaltenen Ausstellungen, welche, 
weil stets im konigl. Glaspalast: untergebracht, auf eine freie individuelle künstlerische 
Entfaltung Verzicht leisten mussten, wird der auf dem landschaftlich wohl schönsten 
Platze der Stadt München befindliche Ausstellungscomplex ein Bild bieten, welches auch 
das verwühnteste Auge freudig überraschen muss. 
(Altagyptisohe Gewebe.) Die württembergischen Staatssammlungen in Stuttgart 
werden einen in archäologischer und künstlerischer Hinsicht sehr werthvollen Zuwachs 
erhalten, und zwar auf persönliche Anregung Sr. Majestät des Konigs. Es handelt sich 
um die Erwerbung einer Anzahl altagyptischer Linnengewebe und Stickereien, welche 
aus Grabern des koptischen Klosters Achmin, des früheren, schon im Alterthume als 
Sitz dieser Industrie berühmten Chemmis in Oberagypten, stammen. Von wissenschaft- 
lichen Autoritäten ist die Ansicht ausgesprochen worden, dass diese Webereien aus den 
ersten christlichen Jahrhunderten herrühren und als Fortsetzung der altagyptischen 
Weberei erscheinen. 
(Alterthümliohea Rlechbüohsohen.) Auf dem Hofe Linksiala in Kangasala in Finn- 
land wurde, dem Blatte -Finnland- zufolge, kürzlich von einem Arbeiter beim Grabenauf- 
werfen nicht weit von der Stelle, wo früher eine Kirche gestanden hatte, ein prachtvolles 
goldenes emaillirtes Riechbüchschen gefunden, gearbeitet iu der Form einer spiralen 
Schneckenschale, aus welcher der Vordertheil des Thieres hervorragt. Die Schnecke oder 
die Muschel kann geotfnet werden, und das Innere besteht aus acht besonderen Abtheilungen, 
die, wie die lnschriften zeigen, zur Aufbewahrung von wohlriechenden Gewürzen, wie 
Nelken, Muscat etc., bestimmt waren. Die ganze Arbeit, ein Product der Goldschmiede- 
kunst aus der Blüthezeit der Renaissance, ist außerordentlich geschmackvoll durchgeführt. 
Wie eine noch an der Muschel befindliche Kette mit Ring zeigt, konnte: dieses Schmuck- 
stück am kleinen Finger hängend getragen werden, Von den vielen glattgeschlitfenen 
Rubinen, mit denen dieses selbst für jene Zeit kostbare Stück besetzt gewesen ist, 
sitzen nur noch einige auf ihren ursprünglichen Stellen. Die Vermuthung liegt sehr 
nahe, dass dieser Schmuck der Gemahlin Konig Erich's XIV, der scbwergeprüften Karin 
Mansdotter, zugehört hat, die viele Jahre auf Linksiala lebte. Nach dem bestehenden 
iinnlandischen Gesetze, betreßend die Beschützung und Erhaltung von Alterthümern, ist 
dieser Fund der historischen Sammlung der Universität in Helsingfors zur Einlösung für 
den Goldtverth eingesendet worden. 
Für die Redacüon verantwortlich: J. Fohresicr und F. Ritter. 
Selbstverlag des k. k. Oesterr. Museums für Kunst und Industrie. 
Bueltllruelerel von cm aereiaw Sohn in Wien.
	        

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