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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 1)

insbesondere Tauben, Blätter- und Blumenguirlanden, Festons und Reben- 
gewinde - und das Alles offenbar noch ohne jegliche Bedeutung, lediglich 
herkömmliche Gewohnheit der antiken Kunst. 
Aber der classische Einfluss geht noch weiter. Allerdings finden 
sich daneben von früh an auch rein christliche Motive und Gegenstände, 
aber auch diese nicht ohne Anschluss an antik-heidnische bildliche Vor- 
Stellungen. So ist Christus der gute Hirte nach dem Muster des Hermes 
als jugendlicher, bartloser Mann dargestellt, der das Lamm auf seinen 
Schultern trägt. Unter dem Bilde des Orpheus, der mit seinem Saiten- 
spiel die Thiere heranlockt und zähmt, versammelt er die Völker zu 
seinem Bekenntniss. Auch andere figürliche Gegenstände kommen schon 
früh in den Malereien der Katakomben vor. So gibt es eine Darstellung 
der Mutter Maria mit dem Kinde auf dem Schoße, welche noch dem 
Ende des ersten oder dem Anfange des zweiten Jahrhunderts angehört. 
Sehr häufig sind die Darstellungen der Apostel, insbesondere des Petrus 
und Paulus, dann Scenen ans dem alten Testamente, die Geschichte von 
Moses und Noah, Daniel in der Löwengrube, die Geschichte Hiobs, die 
drei jungen Männer im feurigen Ofen und Anderes. 
Alles das erscheint, was die künstlerische Darstellung betrißt, noch 
ganz in antikem Gewande. -Die Formen sind idealisch, wenn auch das 
Vermögen der Zeichnung von Jahrhundert zu Jahrhundert abnimmt; die 
Darstellung so einfach wie möglich, nur das Nothwendige, und das oft 
nur angedeutet, mehr verklärt als mit der Absicht, den Vorgang nach 
der Wirklichkeit zu verdeutlichen: so wenn ein Kasten, in welchem Noah 
steht, die Arche vorstellen soll. Bei solcher Einfachheit liegt denn auch 
über diesen Bildern die classische Ruhe und Heiterkeit, ein gewisser 
Frieden, dem alles Gewaltsame, Schmerzhafte, Widervirärtige und Uner- 
freuliche fern liegt, mit einem leisen Zug der Wehmuth, denn es sind 
ja Todtenstätten, wo diese Bilder sich vorfinden, sie sind Schmuck der 
Gräber und Hindeutungen auf jenes Leben. Aber so viele Märtyrer auch 
hier begraben sind, kein Laut der Klage, kein Ausdruck des Schmerzes, 
keine Darstellung ihrer Leiden und Qualen, nur mit Symbolen ist darauf 
hingewiesen. 
Denn das ist ein zweites Element neben dem bildlich figürlichen, 
das symbolische, welches für die früheste christliche Kunst charakteristisch 
ist. Die Symbolik, die tiefere Bedeutung unter einem äußeren sichtbaren 
Zeichen, ist ein uralter Zug im Wesen des Morgenlandes und ist von 
daher in das Christenthum übergegangen. Christus selbst in seinen Pa- 
rabeln ist reich daran. ln der christlichen Kunst nun bildete die Sym- 
bolik förmlich eine Sprache, die - ein Räthsel für Andere - allen 
Bekennern leicht verständlich war. Die Thier- und die Pflanzenwelt 
sowie todte Gegenstände gaben die Bilder her. Die Taube war das Bild 
des heiligen Geistes, aber auch der menschlichen Seele; mit dem Oel- 
ZiWeig im Schnabel verkündet sie den Frieden mit Gott. Der Hirsch, der
	        

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