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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 1)

nach der Quelle eilt, bedeutet die nach Erlösung schmachtende Seele. 
Der Widder ist das Symbol des für unsere Sünden geschlachteten Christus," 
auch der Fisch ist sein Sinnbild, denn in dem griechischen Worte Txävg 
sind die Anfangsbuchstaben beisammen, welche Jesus Christus als Gottes 
Sohn und Erlöser bezeichnen. Auch der Weinstock bedeutet, nach dem 
Evangelium, den Erlöser selbst. Der Palmzweig ist das Zeichen des Sieges 
über Leben und Tod und der Lohn des Martyriums, den auch ein Kranz 
versinnlicht; der Kelch bedeutet das Abendmahl, ein Rauchfass die 
Gottesverehrung und ein Schiff den Lauf des irdischen Lebens, der zum 
Hafen des Friedens führt. Und so vieles Andere. 
Die Bedeutung dieser Symbole wuchs mit den Christenverfolgungen, 
indem dieselben nun zu einer Art Geheimsprache wurden, an welcher 
sich die Gläubigen erkannten und erbauten. Ebenso aber schwand diese 
Bedeutung, als das Christenthum durch Constantin den Großen die volle 
Freiheit der Oeifentlichkeit erhielt und alsbald sich zur triumphirenden 
Religion des Reiches emporschwang. 
(Fortsetzung folgt.) 
Ein Werk des Andrea Brustoloni. 
Von Dr. Ei Leisching. 
Unter den Arbeiten, welche die Gruppe Ill (i. Abtheilung) der vor 
Kurzem im Oesterr. Museum durchgeführten Ausstellung kirchlicher 
Kunstgegenstände in großer Zahl enthielt, hat etwa mit Ausnahme 
einiger Faldistorien, Flügel- und Hausaltärchen die Aufmerksamkeit am 
meisten das Tabernakel aus Cortina d'Ampezzo (Katalog-Nr. 1x58) 
auf sich gezogen, welches im Saale VI aufgestellt war. lch hatte es im 
Herbste 1886 an einem großen Seitenaltare, der unzweifelhaft aus der- 
selben Künstlerwerkstatt hervorgegangen ist, in der Pfarrkirche zu Cortina 
gesehen und fand mich schon damals angeregt, seiner künstlerischen Ab- 
Slßmmllng nachzuspliren. Das Ergebniss dieser Untersuchung, und was 
sich an weiteren Nachrichten über den hier einzuführenden Künstler dar- 
geboten, sei in diesen Zeilen niedergelegt. 
Vorerst möge eine Beschreibung des Tabernakels, dann die des 
Altares Platz finden. Das Tabernakel hat einen quadratischen Grund- 
riss, besteht ganz aus Zirbelholz und ist einschließlich der bekrönenden 
Statuetre des Heilands 2'i5 Meter hoch. Auf der o'3 Meter hohen Basis 
ruht ein reicher architektonischer Bau von o'85 Meter Höhe, über 
dessen Kranzgesims sich eine Kuppel in Zeltdachform erhebt. Das Ganze 
ist auf's Reichste ornamentirt, keine Handbreit schmuckloser Fläche, 
keine einzige nüchterne Linie, Alles beseelt, lebendig. Auf den Pilastern 
der, wie die Seitenliächen des Mittelbaues, mit erhabenem Schnitzwerk 
und jederseitig einem geflügelten Engelsköpfchen verzierten Basis stehen
	        

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