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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 1)

technik auszeichnete. Ich erinnere nur an Email, Niello und Filigran, 
ebenso an die neuen Muster der gewebten Stoffe und _ihre Verzierung 
durch Stickerei nach den alten Verfahrungsweisen. 
Da aber, gerade als diese Bewegung eben, wie es schien, im schönsten 
Emporblühen war, im Anfang und gegen die Mitte der Sechziger Jahre, 
kam die von England ausgegangene, auf das ganze weltliche Gebiet ge- 
richtete Reform des Geschmackes und der Kunstindustrie auch bei uns 
zum Durchbruche und fand in dem neu gegründeten Oesterr. Museum 
ihren Mittelpunkt, ihre Betriebsstätte. Was nun geschehen seit dem Jahre 
r864, wie die Bewegung weiter und weiter griff, ein Land nach dem 
anderen hineingezogen wurde, ein Industrieziveig nach dem anderen sich 
künstlerisch, selbst auch technisch umgestaltete, das ist zu bekannt, um 
davon noch zu sprechen. Ich will nur constatiren, dass über dern Inter- 
esse, welches das Kunstgewerbe für sich allein in Anspruch nahm, das 
Interesse für die Gegenstände zum Dienste der Kirche in den Hinter- 
grund gedrängt wurde. Ueber dem Schmuck und der Ausstattung von 
Haus und Palast, von Tisch und Tafel hat man fast die Kirche ver- 
gessen, wenigstens vernachlässigt. Die besten Arbeiten, die heute für die 
Kirche gemacht werden, sind stehen geblieben auf dem Standpunkte, den 
sie vor fünfundzwanzig Jahren einnahmen. Ich mag einen Zweig viel- 
leicht ausnehmen, die Glasmalerei, welche, ursprünglich nur für die 
Kirche wieder erstanden, ihre glänzende Entwickelung von heute auch, 
wenn nicht allein, doch vorzugsweise dem Hinübergreifen auf das welt- 
liche Gebiet, auf das Haus, auf die Wohnung verdankt. 
Aber jenes Stehenbleiben auf dem alten Standpunkte war oder ist 
das geringere Uebel, welches die Vernachlässigung der kirchlichen Auf- 
gaben im Kunstgewerbe hervorgerufen hat. Mittlerweile, in der Stille, 
ist die Kunst für die Kirche Fabrication geworden; bessere Arbeiten, 
selbst von der angegebenen Art, entstehen nur vereinzelt; den großen 
Bedarf, den die Kirche alle Zeit hat und haben wird, deckt die Fabrik, 
die Massenproduction; sie schafft billig, bequem, aber ebenso auch scha- 
blonenhaft, ordinär, unklinstlerisch, und damit auch unwürdig. Während 
in der ganzen Kunst flir das Haus Geschmack, Verständniss, Arbeit sich 
außerordentlich gehoben haben, kann man das von den Dingen, die für 
den Dienst und den Schmuck der Kirche geschaffen werden, nicht 
behaupten. 
Heute nun, nachdem die Reform auf dem Gebiete der weltlichen 
Kunst gewissermaßen ihren Lauf erfüllt hat, nachdem alle verloren 
gegangene oder vergessene Technik wieder gefunden und wieder erlernt, 
ist eine Art Stillstand in dieser Bewegung eingetreten. In diesem Still- 
stande, in dieser Pause ist es Zeit, sich der vernachlässigten kirchlichen 
Kunst wieder zu erinnern, sie von den Irrwegen abzulenken und ihr 
all' das Gute zu Theil werden zu lassen, was mittlerweile die Kunst 
gelernt und neu in Anwendung gebracht hat.
	        

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