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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 2)

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charakteristischen Putten und jugendlichen Gestalten von Engeln und Ka- 
ryatiden, von denen wir oben sprachen; auf sie wird die größte Kunst 
verwendet, und das Streben des Meisters geht offenbar dahin, der in der 
Kinderwelt am reinsten zum Ausdruck gelangenden menschlichen Natur 
immer neue, überraschende Züge abzulauschen und sie klar und ver- 
ständlich vorzutragen. Hieher gehören die beiden fackeltragenden Engeln 
und die großen Candelaber in S. Stefano, der Schmuck des Altars in 
der Kirche della Salute, der mit einer Fülle von Cherubim gezierte 
Tabernakel in S. Maria di Loretto, die beiden, den Künstler auf der 
Höhe seiner Entwickelung zeigenden Tafeln in der Jesuitenkirche und 
in S. Pictro, von welchen die erstere (bezeichnet mit dem Namen des 
Meisters und der Jahreszahl 1727) den Tod des Franz Xaver, die andere 
(ebenfalls mit dem Namen Brustolonfs und der Jahreszahl 1729 be- 
zeichnet) den Kreuztod darstellt; beide sind von einer Fülle reizender 
Engel und Cherubirn belebt. Ihnen schließen sich mehrere Arbeiten, 
meist Spiegel- und Bilderrahmen an, deren breites Schnitzwerk zum 
Tummelplatz für zahlreiche Putten dient; so zeigt ein solcher Rahmen 
nicht weniger denn zi Figuren in ganzer Gestalt. 
Aber nicht nur in Belluno, sondern auch in vielen anderen größeren 
und kleineren Orten des Landes bis hinauf nach Forno di Zoldo finden 
wir Arbeiten des Meisters, welcher bis zum Ende seines mehr als 7ojäh- 
rigen Lebens unermüdlich thätig blieb. Die Nähe Belluno's von Cortina 
würde nicht entscheidend sein für die Zuweisung jenes Altares an Bru- 
stoloni. Aber es sprechen innere Gründe dafür, der Stil, die technische 
Behandlung, und die Wiederkehr der nachgewiesenen Lieblingsmotive. 
Im Lichte dieser Thatsachen werden die jetzt leider nur mehr mündlich 
vorhandenen Ueberlieferungen, welche sich in Cortina in Betreff der 
Herkunft des Werkes erhalten haben, an Glaubwürdigkeit gewinnen. 
Der hochwürdige Pfarrdecan von Cortina, Herr Josef Pitscheider, der 
seit Jahren an diesem Orte lebt, hatte die Güte mir mitzutheilen, dass 
sich im Pfarrarchive ausführliche Urkunden über den Altar befunden 
haben, die jedoch zur Zeit Napoleon's abhanden gekommen sind. Der 
Vorgänger des jetzigen Decans und die älteren Mitglieder der Familie 
Ghedina wussten sich ganz bestimmt zu erinnern, dass Briefe von Bru- 
stoloni und ein von ihm unterfertigter Arbeitsvertrag vorhanden waren. 
S0 sei der Kaufpreis mit 4000 Lire venete bestimmt und außerdem ver- 
einbart gewesen, dass Brustoloni noch einen zweiten Seitenaltar zu dem- 
selben Preise liefere. Das letztere Uebereinkommen habe sich jedoch 
zerschlagen wegen der Lieferung von 20-30 Stück Musel, d. i. Säg- 
stücken von Zirbelholz. Die Gemeinde scheint zur Beistellung des 
Holzes verpflichtet gewesen zu sein und der Künstler jenen Preis nur 
für die Arbeitlgefordert und erhalten zu haben. Noch bemerke ich, dass 
Ronzon in seinem almanaco cadorino dell' anno i876 unserenAltar, 
dessen er als eines Werkes Brustol0ni's Erwähnung thut, in das Jahr
	        

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