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Objekt: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1888 / 2)

An dem in der Sacristei der Kirche Santa Maria dei Frari aufbewahrten 
Reliquienschrein des Francesco Pensa befinden sich zwei vergoldete 
Seraphim von der Hand Brustoloni's und die Capelle der Kirche SS. 
Giovanni e Paolo ist von ihm bekanntlich mit geschnitzten Darstellungen 
aus dem Leben Christi und der heil. Jungfrau und mit Figuren der 
Hauprtugenden auf's Reichste geschmückt, welche bei dem großen 
Brande der Kirche am 16. Juli 1867 unversehrt blieben, während das 
PetrusbildbTiziank den Flammen anheim fiel. - Die Kirche del Redentore 
auf Giudecca enthält 4 Büsten von Heiligen und ein Crucifix, welche 
von Tipaldo gleichfalls unserem Künstler zugeschrieben werden. Auch 
im Privatbesitze sind viele Sachen"). 
Mit 30 Jahren, also nach rSjähriger Abwesenheit, kehrte Brustoloni 
als berühmter Künstler in seine Heimat Belluno zurück, wo ihn viele 
Aufträge erwarteten. Wie bereits in Venedig führte er nun auch hier 
eine große Zahl von Möbelstücken und Bilderrahmen aus, welche er 
außer mit Blatt- und Fruchtwerk und Allegorien, besonders mit reizenden 
Kinderfiguren, die er überall mit Vorliebe anbrachte, kunstvoll zu 
schmücken wusste. 
Eine von tiefer, glühender Religiosität erfüllte Natur, wandte er 
sich nun aber auch der kirchlichen Kunst mit größtem Eifer zu und 
schuf eine Fülle von herrlichen, durch Anmuth, wie vollendete technische 
Meisterschaft ausgezeichneten Werken. So besitzen die Kirchen S. Stefano, 
S. Maria di Lorelto, S. Martino, B. V. della Salute, S. Pietro, der 
Dom, das königliche Gericht, die Familien Agosti, Pagani, Pagani-Cesa, 
Dogliani, Giamosa, Sammartini u. A. viele Arbeiten des Künstlers, von 
deren einigen (namentlich der im Privatbesitz befindlichen) allerdings 
erst einmal festzustellen sein wird, ob sie nicht etwa auf Rechnung der 
Schüler Brustoloni's, besonders des Francesco della Dia und Gusella, 
kommen. Von den 4-5 Crucilixen, welche nachzuweisen sind, verdienen 
das der Kirche S. Stefano und jenes der Familie Pagani-Cesa gehörige, 
wegen der vorzüglichen Durchbildung der Körperformen und des hin- 
reißenden Ausdruckes hervorgehoben zu werden. Bei allen übrigen Ar- 
beiten, kirchlichen wie profanen, finden sich als herrschendes Motiv jene 
7) Für Diejenigen, welche sich eingehender mit Brustoloni beschäftigen wollen, 
als es mir hier möglich ist, weise ich an dieser Stelle die allerdings spärliche Literatur 
nach, die von seinen in'Venedig und anderwlrts befindlichen Arbeiten Kenntniss nimmt: 
Emilio Tipaldo. Biogralia degli ltaliani illustri. Venezia 1845, Vll, 490. Petronio Per- 
sicini, Di Andrea Brustoloni scultore bellunese notizie biogratiche ed artistiche. Padova 
1881. (wo mancherlei Brauchbares gefunden wird). P. Selvatico e V. Lazari, Guida di 
Venezia 1852., 125-248. Giulio Lecomte, Venezia a colpo d'occhio. Venezia 1844, 456. 
Vincenzo Laznri, Notizie delle upere d' arte e di antichitä della raccolta, Correr di Ve- 
nezia 185g, 171 ff. Giuseppe Nicoletti, lnaugurazione del monumento ad Andrea Bru- 
stolon in Dom di Zoldo, Rovigo 1885. Cieognara behandelt Brustolimi auch in der 
zweiten Auflage seines Werkes nicht allzu gründlich und Finochietti ist von ihm 
ganz abhängig.
	        

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