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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 97)

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zum grossen Theil auf eigene und neue archivalische Forschungen basirt, in 
seinen biographischen Skizzen das Beste und Zuverlässigste bietet, was die 
Wissenschaft zur Zeit zu bieten vermochte. 
' Wo wir aber nirgend Kataloge finden, wie wir ihrer bedürfen, das ist 
gerade in Deutschland, einige ganz kleine unbedeutende Sammlungen allerhöchstens 
noch ausgenommen. Als Waagen den Katalog derßerliner Galerie bearbeitete, 
that er für damalige Verhältnisse das Beste, was zu thun war. Er betrachtete 
denselben übrigens nur als einen provisorischen und hatte die Absicht, einen 
catalogue raisonne zu schreiben, und nur die Misshelligkeiten mit seinem 
General-Direetor, Herrn von Olfers, machten es ihm unmöglich, ihn zu voll- 
enden, da er von diesem nicht die Erlaubniss zum Verkaufe desselben in den 
Räumen der Sammlung erlangen konnte. 
Wie es in den anderen Orten steht, wissen Sie. Wir können durch die 
verschiedensten deutschen Städte gehen, und wir werden überall choquirt werden 
durch die ungenügende Art und Weise, wie die Sammlungen verzeichnet sind. 
Als der neue Katalog in Dresden erschien, da schrieb Julius Hühner eine 
ganz hübsche Einleitung, und man hätte nun glauben sollen, er würde sich 
die Mühe nicht verdriessen lassen, auch dem Verzeichnisse selber die erforder- 
liche Sorgfalt zuzuwenden. Aber die Beschreibungen der Bilder wurden ganz 
einfach aus dem alten Verzeichnisse in ungenügendster Weise herübergenomrnen. 
Gehen wir weiter, so sehen wir eine vollständige Vernachlässigung der 
allergeläufigsten Sachen, so dass uns auf Tritt und Schritt eine schreiende. 
Unwissenheit in jeder Zeile entgegentritt. Man kann da sehr verschiedene 
Beispiele wählen. Eine der schönsten Galerien in Europa ist die Casseler. Das 
frühere Verzeichniss war leidlich, das neue ist mit ästhetischen Excursen über- 
laden. Ein Stillleben von Cornelis Pierson, mit dem Monogramme bezeichnet, 
wird für Georg Pensz ausgegebem: also ruhig C. und G., das 17. mit dem 
16. Jahrhundert verwechselt. 
An anderen Stellen gibt es neuere Kataloge von ähnlicher Qualität. Da ist 
z. B. einer vom Museum Walraff-Ricbartz in Köln erschienen. Der hat das, 
was an Trockenheit sonst gesündigt ist, wieder gut machen wollen. Das Unglück 
ist nun das, dass nicht aus gründlicher und umfassender Kenntniss des wissen- 
schaftlichen Materiales, sondern aus drei, vier Handbüchern die Notizen zu- 
sammengeschrieben werden, dass einem lieber Sonette des Herrn Verfassers 
entgegenstrahlen an Stelle kritischer Würdigung der Forschungen. Eine be- 
sondere Unart ist ferner die kritische Beurtheilung der Bilder, selbst moderner, 
wo dann lebende Meister wie Lessing und Piloty abgekanzelt werden und Be- 
merkungen über das Gefährliche und Bedenkliche ihrer Richtungen zu lesen 
bekommen. 
Ich könnte noch vielfach mit solchen Beispielen. von rnittelmässigen 
Katalogen aufwarten. Sie wissen, wie es in München lange Zeit bestellt war, 
wie schauderhaft schlecht die Kataloge in Stuttgart beschaffen sind, und nur 
weil ich da die Dinge besonders genau kenne, will ich Ihnen noch den Katalog 
von Karlsruhe vorführen. Er ist zuerst etwa t844 herausgegeben, zusammen- 
gearbeitet von dem Künstler, der Conservator war, und einem Botaniker, der 
damals Bibliothekar war und von Kunst nicht das Leiseste verstand. Und diese 
Herren haben sich nun sowohl über das archäologische wie über das moderne 
Material verbreitet. 
[Redner theilt eine grosse Anzahl von Angaben dieses Kataloges mit, welche 
die Congressrnitglieder durch ihre ungeheure Harmlosigkeit in die aufgeräum- 
tcste Stimmung versetzen und schliesslich eine allgemeine stürmische Heiter- 
keit mit schallendem Gelächter hervorrufen. Redner fährt dann fort :]
	        

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