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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 97)

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Demnach fordert der Vorsitzende zur Constituirung des Bureau's auf, 
und es werden auf Vorschlag des Prof. Thausin g der General-Consul 
Crowe (Düsseldorf) und der Geheimerath Schöne (Berlin) durch Accla- 
mation zu Vicepräsidenten erwählt, und von dem Vorsitzenden die Herren 
Dr. Bruno Meyer (Berlin) und Dr. Albert Ilg (Wien) zu Schriftführern 
berufen. 
Zunächst wird eine brieiliche Mittheilung des Ober-Tribunalsrathes 
Schnaase verlesen; 
Meine Herren, 
Hochverehrte Freunde und Fachgenossen! 
Mein weit vorgeriicktes Alter und die damit verbundenen, gerade in die- 
sem Jahre sehr vermehrten körperlichen Beschwerden machen es mir unmög- 
lich, dem kunstwissenschaftlichen Congresse, zu dem Sie mir die Ehre der Ein- 
ladung ertheilten, beizuwohnen. Es ist dies eine mir sehr schmerzliche Ent- 
behrung. Ich würde die Freude gehabt haben, Männer wieder zu sehen, denen 
ich seit Jahren für freundschaftliches Wohlwollen und mannichfache Belehrung 
dankbar verpflichtet bin, andere, jüngere Fachgenossen persönlich kennen zu 
lernen, denen unsere Wissenschaft schon jetzt erhebliche Leistungen verdankt, 
und auf denen ihre Hoffnungen beruhen, und endlich im lebendigen, begeister- 
ten Austausche angesichts der Welt von Kunstschätzen, die jetzt in Wien ver- 
einigt ist, die fruchtbarsten Anregungen zu empfangen. Erlauben Sie mir, 
meine Herren, Ihnen mein tiefes Bedauern dieser Entbehrung auszusprechen. 
Es würde mir zu einiger Befriedigung gereichen, wenn ich wenigstens 
schriftlich einen Beitrag zu Ihren Berathungen und ein wohlbegründetes Votum 
über eine der in Ihrem Programme aufgeworfenen Fragen liefern könnte. Allein 
auch dazu sind meine Kräfte unzureichend, und ich muss mich begnügen, we- 
nige vereinzelte Gedanken in rein persönlicher und brieflicher Form aus- 
zusprechen. 
Unsere Wissenschaft gehört im Vergleiche mit den älteren, auf langer Tra- 
dition beruhenden Disciplinen zu den jüngeren, neu hinzugekommenen. In Be- 
ziehung zu der Kürze menschlichen Lebens hat sie dennoch bereits eine Ge- 
schichte hinter sich und kann mehrere Generationen von Mitarbeitern unter- 
scheiden. Die älteste Generation, die fast allein noch in mir ihre Vertretung 
findet, begann ihre Arbeiten vor etwa vierzig Jahren. In begeisterter Ueber- 
zeugung von der Berechtigung dieser neuen Wissenschaft, die, wie es gewöhn- 
lich geschieht, wenn die Zeit reif ist, fast gleichzeitig an verschiedenen Stellen 
und in verschiedenen Individuen erwachte, dachten wir nur daran, das Gebiet 
dieser Wissenschaft im Allgemeinen zu umgrenzen und die Nothwendigkeit ihrer 
Existenz darzuthun. Meine vniederländischen Briefes hatten gewissermassen den 
Zweck, als eine Einleitung in diese Wissenschaft zu dienen, in der sie, von der 
gegenwärtigen Kunst und von ästhetischen Anforderungen ausgehend und zu der 
Kunst der frühem Zeiten aufsteigend, den thatsächlichen Beweis der inneren Ein- 
heit der gesammten Kunstentwickelung führen sollte. Es war dies ein etwas 
dilettantisches, aber vielleicht nicht fruchtloses Bestreben. Andere und ich selbst 
gingen demnächst im positiven Vortrage der Gesammtgeschichte voran, und wir 
hatten in Kurzem die Freude, dass sich jüngere Talente, und zwar in über- 
raschend grosser Zahl, uns anschlossen. In ganz Deutschland entwickelte sich 
eine rege Thätigkeit, welche uns eine Fülle neuen Materiales zufuhrte, das 
kaum in den eng gezogenen Grenzen unserer allgemeinen Umrisse Raum fand.
	        

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