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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 100)

Redner empfiehlt schliesslich die Benutzung des Nebelbilderapparats 
für den Anschauungsunterricht und lädt den Congress ein, einer Probe 
mit einem derartigen, von Dr. Harnecker in Wriegen aJO. speciell für 
den vorliegenden Zweck eingerichteten Apparate Abends beizuwohnen. 
Prof. Kinkel. Nach dem soeben Gehörten beantrage ich, in der Reso- 
lution, welche lhnen zur Annahme empfohlen ist, im zweiten Absatze statt 
wider Classikeru zu sagen: "der alten und modernen Classikere, und im 
vierten Absatze statt vder classischen Sprachen" - v-der classischen und mo- 
dernen Sprachen." 
Ohne weitere Debatte kommt die Resolution in ihren einzelnen Ab- 
sätzen zur Abstimmung und wird nach den Vorschlägen der Commission 
mit den Amendements Kinkel angenommen} Dieselbe lautet nunmehr: 
i. Der Congress kann nicht wünschen, dass im Programm der Mittel- 
schulen, d. h. der Gymnasien, Realschulen, höhern Töchterschulen und anderer 
gleich hoch stehender Anstalten durch Aufnahme eines neuen Unterrichtszweiges 
die schon stark gehäuften Lehrgegenstände dieser Anstalten vermehrt werden. 
2. Dagegen wird die Ueberzeugung ausgesprochen, dass Anschauung von 
Kunstwerken in guten und methodisch geordneten Reproductlonen und Er- 
schliessung des Blickes für Schönheit und Stil sich mit schon vorhandenen 
Lehrtächern, hauptsächlich dem Geschichtsunterricht und der Lectüre der alten 
und modernen Classiker so vereinigen lassen, dass sie das Erlernen dieser 
Lehrfächer vielmehr erleichtern als erschweren. 
3. Damit dieser Anschauungsunterricht wahrhaft künstlerisch bildend wirke, 
ist zu wünschen, dass jede Mittelschule in Besitz eines Apparates von Nacha 
bildungen vorzüglicher Kunstwerke komme, welche thcilweise auch als Vorlagen 
beim Zeichenunterrichte verwendet werden können, um das Auge und den 
Zeichner an die Stil-Unterschiede zu gewöhnen. 
4.. Der Congress erklärt für wünschenswerth, dass zum Studium der 
Kunstgeschichte an allen Universitäten die Möglichkeit geboten werde, dass aber 
auch schon vorläufig die Lehramts-Candidaten für die Fächer der classischen 
und modernen Sprachen und der Weltgeschichte Gelegenheit erhalten, sich bei 
ihrer reglementsmässigen Prüfung über den Bestand ihrer kunsthistnrischen 
Kenntnisse ausweisen. 
, Geheimerath Schöne: Ich wollte bemerken, dass in Bezug auf die Be- 
stimmung lX. in unserem Reglement die Annahme dieses Antrages anzusehen 
ist als ein Auftrag an unseren ständigen Ausschuss, auf dic betrelTende Behörde 
eine Anregung im Sinne unserer Beschlüsse ergehen zu lassen. Wir thun 
damit etwas, was die Sache in jeder Weise zu fördern im Stande ist. 
Hofrath v. Eitelberger: Nach ä. lO des Reglements versteht sich das 
für alle Beschlüsse von selbst. 
Auf der Tagesordnung steht die Verhandlung über die Fragepunkte 
unter Nr. lV.: 
t. In wessen Händen liegen gegenwärtig in Deutschland, Oesterreich, 
Frankreich, Italien, England und Belgien die Reproductionen von Werken des 
Alterthums und der Kunst? 
2. In wie weit können und sollen Regierungen auf die Reproductionen 
durch Private Einfluss nehmen? - Sollen Staatsanstalten bei Reproductionen 
mitwirken und in welchem Maasse? 
3. Welche Erfahrungen hat man mit den verschiedenen Reproductions- 
materialien gemacht?
	        

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