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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 100)

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los verschwunden und hat nur eine grosse Masse von Schulden zurückgelassen. 
Das Verfahren oder dem ähnliche wären aber wohl werth, beachtet zu werden. 
Hofrath v; Eitelberger: In Frankreich wurden viele Proceduren derart 
geübt, und solche Produkte sind für kunsthistorische Sammlungen überaus werth- 
voll; daher empfiehlt es sich sehr, jedes Verfahren dieser Gattung kennen zu 
lernen. 4 
Professor Kuhnv übernimmt auch diesen Gegenstand in sein Referat. 
Nunmehr erölfnet der Vorsitzende die Debatte ' ü_ber d a s Pe t t e n- 
kofersche R egenerations-Verfahre n. 
Custos Schellein: So wie die schaffende Kunst ihre Berechtigung hat, 
eine ebenso wichtige Berechtigung hat die erhaltende Kunst. Die Bilder im 
Allgemeinen tragen schon oft, in ihrem Entstehen das Gepräge der Zerstörung 
in sich.- Eine unglückliche, ungesunde, falsche Technik bedingt beim Kunst- 
werke eine allzubald folgende Zerstörung. Der Pinselstrich irn Kunstwerke 
ist etwas, was über dessen Erhaltung bestimmt. Der breite Pinselstrich 
erhält sich gut, bleibt dauerhaft, wird immer besser. Die Zeit ist fiir eine 
solche Technik eine Veredlung. Das krankhaft Gemachte, Gequälte in der 
Kunst aber wird immer trauriger, kläglicher und zerstört sich von selbst. 
Eine andere Ar! der Zerstörung ist die, welche die Zeit dem Kunstwerke 
beibringt. Die Gründe der alten Meister empfehlen sich als die besten. Die 
Malerei liegt auf diesen Gründen klar, rein und frisch, sie dunkelt nicht nach. 
Auf dem rothen Grunde der späteren Zeit hingegen wurde die Farbe trübe, 
der Bolus des rothen Grundes durchdrang da, wo der Meister nur lasirt hatte, 
die Farbenschicht, und die Farbe war zerstört. ' 
, Herr Lippmann hat uns die Missbräuche des Restaurationsverfahrens, 
wie es bisher bestand, treffend geschildert, und auch darin bin ich mit ihm 
einverstanden, dass Pettenkofer der einzige war, welcher die Sache wissenschaft- 
lich betrieben hat. Aber sein Verfahren ist doch nur in einzelnen Fällen gut, in vielen 
Fällen geradezu schädlich. Es gibt eben keine Universalmittel. Auch die alteu Bilder 
sind Patienten, die an Verschiedenem leiden. Die Bindemittel in der Malerei 
sind der Stoß", der die Farbe selbst belebt und erhält. Die Farbe, wenn Sie 
sie gepulvert vor sich sehen, sie ist wohl da, aber sie ist todt, sie ist trocken. 
Befeuchten Sie das trockene Pulver, und Sie werden eine glänzende, feurige 
Farbe haben, aber Sie geben zugleich auch den Farben dadurch Dauerhaftig- 
keit. Die Farbenschicht bekommt in sich einen festen Zusammenhang und 
haftet fest an dem Grunde der Bildfläche. Es bildet sich nun aber im Laufe 
der Zeit häufig eine Erscheinung derart, dass auf dem Bilde einzelne kleine 
Punkte aufzustehen anfangen, der Luft den Zutritt in das Innere des Bildes 
gestatten, und so hebt sich dann immer mehr und mehr das Ganze in Blasen- 
form auf und fällt schliesslich stückweise herunter. 
Was ist nun anders zu thun, denn zu restauriren? Wenn wir in der Be- 
Ziehung nützen wollen, so erlaube ich mir Ihnen ans Herz zu legen: Vor allen 
Dingen trachte man das Kunstwerk genau zu überwachen und zu studiren, ob 
sich nicht solche Punkte zeigen, die da sagen: das Binde-Mittel ist geschwächt. 
Vor allen Dingen trachte man die ersten Anfange gleich zu curiren. Es ist 
vor allen Dingen nothwendig mit einem Instrumente, welches ich der 
Medicin entlehnt habe, die gelösten Farbentheilchen wieder auf der Bild- 
Häche zu befestigen: mit der Spritze für Injectionen. Damit spritze ich ein 
Bindemittel in daslnnere des Farbenbläschens ein, drücke es sorgfältig nieder 
und bin sicher, dass an dieser Stelle die Originalität gerettet ist. Auf diese 
Weise kann ich versichern, hab? ich Bilder, die theilweise schon ganz gelöst 
waren, schon, vollständig gerettete 
zu
	        

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