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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 101)

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ästhetischer Elemente in das Universitätsleben, sie, auch beruhigt darüber, 
dass wir heute die Anstalten für die Bildung der Künstler nach jeder 
Seite hin trennen von der Aufgabe der Universitäten, dass wir aber im 
vollen Masse für diese in Anspruch nehmen die Erweckung des 
wissenschaftlichen Bewusstseins der Kunst nach der begrifflichen 
wie historischen Seite, dass wir ihren allgemein bildenden Einfluss 
zuführen wollen den edelsten Elementen unserer Jugend, welche einst an 
der Leitung des Staates, der Kirche, überhaupt des höheren Culturlebens 
vorzüglich betheiligt sind. Gegenüber dem Ueberwuchern eines schäd- 
lichen Dilettantismus in diesen Dingen hat die Universität die fortwährende 
Reinigungder künstlerischen GrundbegriEe zu vollziehen, eine der" natur- 
wissenschaftlichen analoge Methode in der Betrachtung der Kunstwerke 
zu üben und den Ueberblick über den Entwicklungsgang der Kunst mit 
einer sich steigernden Vertiefung in das Einzelnste lebendig zu erhalten. 
In organischer Weise bauen sich die einzelnen künstlerischen Func- 
tidnen des akademischen Lebens auf, es gilt zunächst auch der Universi- 
tät Gelegenheit zu geben für einen methodisch-technischen Unter- 
richt in zeichnender wie musikalischer Kunst, immer mit dem von Ari- 
stoteles gesteckten Ziel: "Nicht um Virtuosen oder Kunsthändler zu bilden, 
sondern um befähigt zu machen für die Betrachtung der im Körperlichen 
erscheinenden Schönheit und das richtige Urtheil über Kunstwerke zu 
bilden, um die wahre Lebenskunst einer edlen Muse (das axoldfm: xaloig) 
anzubahnenw Es gilt ferner, unserer akademischen Jugend die Musterbilder 
der Kunst, die charakteristischen Zeugnisse der Stilweisen vor Augen 
zu fuhren, in akademischen Museen, in musikalischen Aufführungen, in der 
Behandlung einzelner poetischer Hauptwerke. Es gilt drittens die kunst- 
geschichtliche Darstellung wie in der Geschichte der Poesie und 
des Schahspieles, so vor Allem in der bildenden Kunst und auch der Musik, 
soweit eine solche Geschichte möglich ist, im Bereiche akademischer Vor- 
lesungen zu einem ständigen Gliede zu machen. Es gilt endlich für eine 
Wissenschaft der Aesthetik als des Schwersten von Allem, einen 
Neubau auf der Unterlage der physiologischen Entdeckungen der Neuzeit 
wieder geschichtlichen Forschung allrnälig zu begrilndenn Mit ihr an- 
fangen; sie allein in den Universitätskreis stellen, heisst die Bekrönung 
eines Blues versuchen ohne die Fundamente zu haben. _ 
Danilwird endlich uns auch wohl zu Theil werden die Verkör- 
perung des Universitätsgeistes in edler sichtbarer Form, 
die würdige Ausgestaltung unserer architektonischen Räume, die pietäts- 
volle Erneuerung der Erinnerung grosser Männer der Wisdenschaft in wür- 
digen Bildnissen in unserer Umgebung, endlich der malerische} und pla- 
stische Ausdruck unserer Ziele in einem monumentalen Schmucke unserer 
Festsäle. Inzwischen haben wir wohl noch Ursache mit dem alten "grie- 
chischen Sprüche zu beten: vdass die Götter uns zu dem' Guten das 
Schöne verleihenm
	        

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