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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 103)

Enquete über Guldschmiodekunst. 
(Bericht an das Unterrichts- und das Handelsministerium über die Besprechungen über 
Angelegenheiten der Goldschmiedekunst.) 
Im Anschluss an meinen ersten Bericht vom 9. d. beehre ich mich, 
über den Erfolg der weiteren Besprechungen mit Industriellen Meldung 
zu erstatten. 
Am 10. und 14. d. M. hatten sich auf meine Einladung Vertreter 
der Gold- und Silberindustrie im Museum versammelt, und zwar die 
Herren: J. Bacher, J. Becher, L. Blach, H. Bolzani, V. Czo-" 
kally, Fr. Dorschel, J. C. Klinkosch, A. E. Köchert, K. Lustig, 
J. Matzenauer, Jos. Mayer, H. Ratzersdorfer; 
ferner die Herren Protf. Hauser, König, Riewel, Storck, 
Graveur Schwerdtner, Custos Bucher. 
Aus den allgemeinen Erörterungen über die Lage der Goldschmiede- 
und Juwelierkunst in Oesterreich ging hervor, dass wohl einzelne Fabri- 
kanten, wie insbesondere Herr Köchert und Herr Ratzersdorfer, nach 
eigenen Mustern und von höheren Geschmacksrichtungen geleitet arbeiten, 
dass in niellirten Arbeiten, der Goldkettenfabrication und auch in rein 
technischer Beziehung Fortschritte gemacht werden; aber ebenso gewiss 
ist es, dass die Fabrikanten sogen. currenter Waare noch durchweg von 
Paris abhängig sind und dass einem kräftigeren Aufschwunge der höheren 
Branche in erster Linie die Gewöhnung des Publicums entgegenstehe, 
Arbeiten in Edelmetall nur nach dem Metallwerth, nicht nach der künst- 
lerischen Form (der sogen. Fagon) zu schätzen. Wie wenig auf diesem 
Gebiete noch das künstlerische Bedürfniss sich bemerkbar macht, beweist 
u. a. der Umstand, dass seit Bestehen der Kunstgewerbeschule noch kein , 
Zögling aus dieser Industrie Aufnahme begehrt hat. Vor Allem müsse 
daher für die Geschmacksbildung des Publicums -- in erster Linie durch 
das Museum - Sorge getragen werden. Das ist eine Frage der Zeit. 
Aus diesem Grunde begegnete die Frage des Musterschutzesin 
diesem Kreise nur sehr geringem Interesse. Hervorgehoben wurde, dass 
bei einer Revision des Gesetzes auf ausreichenden Schutz gegen die Gal- 
vanoplastik und gegen die Nachahmung in; Auslande (resp. den Import 
von dort) gedacht werden müsse. 
Bei der Unterrichtsfrage erneuerten sich die Klagen über ungenü- 
genden Zeichenunterricht in den Volks- und Realschulen. Was die Fort- 
bildungs- und allgemeinen Zeichenschulen anbelangt, so wurde eine ge- 
deihliche Wirksamkeit solcher Anstalten von eine: strengen Controle des 
Besuches und von der Durchführung des Schulzwanges sowohl den Lehr- 
lingen ab den Meistern gegenüber abhängig gemacht. 
Derselbe Zwang müsse auch für die in Wien zu gründende Special-k 
schule in Anwendung gebracht werden. Es soll an derselben im Abend- 
und Sonntagscurse wohl Zeichnen, Modelliren, Ciseliren, Graviran, Email- 
liren, Schmelztechnik und Chemie gelehrt werden, doch auf Zeichnen und
	        

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