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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe IX (1874 / 103)

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Tscha-no-yu wieder in's Leben, versammelte die Meister derselben und 
die Kenner ihrer Gebräuche um sich. Der Zweck der Tscha-no-yu ist, 
den Menschen den Einflüssen des ihn umgebenden irdischen Treibens zu 
entziehen, in seinem Innern das Gefühl vollkommener Ruhe herzustellen, 
ihn zur Selbstbetrachtung zu stimmen, weshalb auch sämmtliche Ge- 
bräuche auf diesen Zweck gerichtet sind. ' - 
In luftige, reine Gewänder gekleidet, ohne Waffen, versammeln sich 
die Mitglieder der Tscha-no-yu um den Hausherrn und werden von ihm, 
nachdem sie einige Zeit im Vorsaale ausgeruht, in einen eigens hiezu 
hergerichteten Pavillon geführt. Dieser besteht aus den kostbarsten Holz- 
arten, ist aber ohne jeden Schmuck, der die Gedanken ablenken könnte, 
ohne Farbe, ohne Firniss, durch kleine, dicht bewachsene Fenster nur 
spärlich beleuchtet und so niedrig, dass man darin nicht aufrecht stehen 
kann. Die Gäste betreten das Gemach mit feierlich gemessenen Schritten, 
werden von dem Hausherrn nach den vorgeschriebenen Formeln empfangen 
und setzen sich dann im Halbkreise zu seinen beiden Seiten. Jeder Unter- 
schied des Ranges hört auf. Nun werden unter feierlichem Ceremoniel 
die alten Gefässe aus ihren kostbaren Umhüllungen hervorgeholt, begrlisst 
und bewundert; mit eben so feierlichen, genau vorgeschriebenen Formeln 
wird das Wasser auf dem dazu bestimmten Herde gekocht, der Thee den 
Gefässen entnommen und in Tassen zubereitet. Der Thee besteht aus 
den mittels einer Steinmühle zu Staub geriebenen jungen Blättern des 
Theestrauchs und wirkt sehr aufregend. Die Bereitungsart selbst ist eine. 
sehr schwierige, mit bestimmten Vorschriften geübte Kunst, welche noch 
jetzt in Japan sehr hoch geachtet und zumeist von älteren Priestern ge- ß 
lehrt wird. Es gehört dies zur Erziehung der besseren Stände. Unter 
tiefem Schweigen wird der Trank aus kleinen Tassen getrunken, welche 
auf einem einfachen Bambusabschnitt präsentirt werden, während Weih- 
rauch auf der erhabenen Nische wtokon brennt. Nachdem sich der Geist 
gesammelf, beginnt die Unterhaltung, die sich jedoch nur auf abstracte 
Gegenstände beziehen darf. Politik soll indessen nicht immer ausgeschlossen 
bleiben. Der Preis der bei dieser Gelegenheit verwendeten Gefässe ist 
sehr bedeutend und stehen diese im Werthe unseren besten Gemälden 
nicht nach. Taikosama belohnte seine Feldherren oftmals mit dergleichen 
Gefässen, statt, wie sonst üblich, mit Ländereien. Die letzten, die ich 
gesehen, waren nicht schön; es waren alte, verwitterte, schwarze oder 
dunkelbraune Vasen zum Aufbewahren des Thee's, hohe Tassen aus 
Craquele, Porcellan oder Steingut zum Trinken des Aufgusses, tiefe, 
breite Wasserbehälter, eiserne Kessel mit Ringen zuth Wasserkochen, - 
alles höchst einfach zum Ansehen, aber in die kostbarsten Seidenstotfe 
eingewickelt und oft in vergoldeten Lackkästchen aufbewahrt. Unter den 
Schätzen des Mikado und des Taikun, auch in einigen Tempeln, werden 
unter den Kostbarkeiten derlei alte Gefässe mit Documenten über ihre 
Herkunft und Vererbung aufbewahrt.
	        

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