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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 66)

Staifeleibilder im Verhältniss selten, Tafeln davon sind uns nicht über- 
kommen, selbst kaum. jemals in den Abbildungen an der Wand. Auf 
einem pompejanischen,Wandgemälde findet sich die Darstellung eines 
Triptyehons, das mit zwei Faden an der Wand über der Thür befestigt 
erscheint und in seinem Hauptfeld in der Mitte eine Landschaft hat. Die 
Einfassung dieses Triptyehons, welche für das Bild den Rahmen abgibt, 
besteht nur in einer schmalen, wie es scheint, ganz Hachen Stableiste. 
Aehnlich ist es mit den Bildern, welche sich auf den Mitten der farbigen 
Waudabtheilung befinden und hier die Stelle unserer Stalfeleigemälde ver- 
treten. Bekanntlich sind die Wände und ihre Felder mit reichen Arabes- 
ken umfasst und getheilt, diese Bilder aber, die so selbstständig erscheinen, 
haben zur Umrahmung, zur Trennung von der Wand, als einziges Mittel 
der Isolirung nur eine rothe oder braune, bandartige Linie und sie erfüllt 
völlig ihren Zweck. Sie umschliesst ohne zu trennen, denn dieses Bild 
soll sich nicht von der Wand und ihrer übrigen Decoration völlig los- 
lösen. Man denke sich an Stelle dieser dunklen Linie einen breiten gol- 
denen Rahmen, und die Harmonie der Wand wäre mit ihrem ganzen 
Reize völlig zerstört. 
Unter diesen Umständen muss sich derjenige, der heute einen 
griechischen Rahmen comyoniren will, in einiger Verlegenheit befinden. 
Was bleibt ihm zu thuu? Entweder er nimmt die Grundgestalt eines 
modernen Rahmens, die alle vier Seiten gleich hat (und er kann sich 
dabei an die Abtheilungen der Gassettendecke oder ähnliche Muster 
halten) und er erfüllt sie mit den verschiedenen Elementen der griechi- 
schen Ornamentik in mehr oder minder gelungener Anwendung, oder er 
hält sich an die Vorbilder der Thüren, Fenster, Grabmäler, selbst Tempel- 
faeaden. Im ersteren Falle handelt er jedenfalls willkürlich und im zweiten 
wird er öfter über das Ziel hinausschiessen, denn sein Rahmen, der für 
grössere Verhältnisse in Verbindung mit der Architektur oder für die 
Füllung mit Relief, selbst I-lochrelief bestimmt war, wird für ein Gemälde 
zu schwer, zu architektonisch werden: 
Wir sind viel besser daran mit dem Mittelalter, wenigstens bis zum 
Beginne der Renaissance. Auch im Mittelalter sind die eigentlichen 
Stadeleihilder eine Seltenheit. Was von Gemälden nicht Pergament- und 
Wandmalerei war, das hatte einen bestimmten Zweck und musste sich 
einem anderen Geräthe einfügen, vor allem dem Altar. Die reiche Bil- 
dung des mittelalterlichen Altars namentlich in gothischer Zeit, wobei 
das Bildwerk eben nur ein Theil war und seine Fassung und Krönung 
mehr als blosse Umrahrnung des Bildes sein sollte, kann man nicht als 
Massstah annehmen. Die Aufgabe war hier mittelst Schnitzerei, Malerei, 
Vergoldung u. s. w. ein gemeinsames Kunstwerk herzustellen, eben den 
Altar. Man kann daher für Bildung moderner gothischer Rahmen den 
mittelalterlichen Altären wohl Motive entnehmen, aber man muss sie sehr
	        

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