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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 66)

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cum grano salis anwenden. Man muss sie auf ihre bescheidenste Form 
zurückzuführen wissen und das weglassen, was bereits Altarsbhmuck und 
nicht mehr Rahmen- oder Bilderschmuck ist. Moderne Gothiker irren 
hierin häufig; sie suchen hierin namentlich die obere Hälfte des Rahmens 
zu absonderlich zu bilden, theils indem sie dieselbe nach dem Muster 
des Spitzbogenfensters gestalten und mit Massstab erfüllen oder indem 
sie den oberen Theil des Bildes mit durchbrochen geschnitztem Ornament 
überziehen, auch die oberen Ecken mit Stäben winklich abschneiden. - 
Sehen wir von den Altären ab, so finden wir die Bahmenbildungen im 
Mittelalter äusserst einfach gehalten. Man nehme z. B. die kleinen Dipty- 
chen und Triptychen von Elfenbein oder die Spiegelkapseln aus dem- 
selben Material; ihre Umfassungen sind fast durchgängig nur schlichte, 
schmale Bänder. die keinen andern Zweck haben, als das vertieft in der 
Mitte liegende Relief zu schützen. Einige Motive könnte man vielleicht 
manchen reicher geschmückten Bueheinbanden des Mittelalters entnehmen, 
solchen nämlich, deren Verzierung in einer die vier Seiten umgebenden 
{lachen Randleiste mit durchbrochen geschnittenem Ornament besteht, 
während die Ecken mit Reliefmedaillons, die z. B. die Symbole der vier 
Evangelisten enthalten, verziert sind. Solche Beispiele sind aber selten. 
Die meisten und entsprechendsten Motive zur Profilirung einfacher 
gothischer Rahmenbildung wird man wohl den späteren mittelalterlichen 
Wandvertäfelnngeu entnehmen können. Hier findet man auch die Ab- 
schrägungen des unteren Randes, wie sie als Wasserschläger an den 
Fenstern vorkommen. 
Die eigentliche Entwicklung der Bilderrahmen beginnt naturgemäss 
erst mit der Entwicklung der Staffeleimalerei überhaupt, also im Laufe 
des fünfzehnten Jahrhunderts. Während in den Niederlanden aber die 
Formen in dem genannten Jahrhundert noch von der Gothik beherrscht 
waren und sich zudem von der Verbindung mit den Altären loslösen 
mussten, treten in Italien verschiedene Momente neugestaltend hinzu. 
Das ist weniger die Kunst der Holzmarqueterie oder Intarsia, welche 
bei den Möbeln in Füllungen, sowie auf Stab- und Rahmenwerk, beson- 
ders auch als Fassung der kleinen mit Elfenbeinreliefs ausgefüllten Altäre 
längst in Gebrauch gewesen war, als die hohe Ausbildung, welche die 
ornamentale Sculptur, besonders im Flachrelief, genommen hatte. Die 
Intarsia scheint bei Bilderrahmen wenig Anwendung gefunden zu haben. 
Mehr vielleicht mag der kräftige Naturalismus von Blumen und Früchten 
Rückwirkung gehabt haben, wie er auf den farbigen Terracottarahmen 
die Reliefs aus der Werkstätte der Della Robbia umgab oder wie ihn 
Ghiberti bei lden Umfassungen seiner Bronzethüren ebenso schön wie 
reich in Verwendung gebracht hat. Indess scheint er bei den Bil- 
derrahmen in keinem Falle so bedeutend gewesen zu sein wie der 
Einfluss, den die reizenden und zierlichen Sculpturornamente der Früh- 
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