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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 66)

 
renaissance ansübten. Ihre feinen und graziösen Formen, wie sie in 
Architekturen und Boiserien aufsteigend, ausfüllend und umkränzend, 
den anziehendsten Slchmuck gewähren, mussten dem Bedürfniss der neu 
sich entwickelnden Rahmenbildnng hoch willkommen sein; sie verlangten 
aber auch ihrerseits eine dache, im Verhältniss sehr schwach proiilirte 
Gestaltung des Rahmens. Häufig waren diese Ornamente selbst nicht 
einmal im Relief gehalten und geschnitzt, sondern nur durch Farben oder 
Vergoldung angegeben. 
Die fortschreitende Renaissance begnügte sich aber nicht lange 
hiermit, sondern sie suchte den Rahmen architektonisch zu gestalten, in- V 
dem sie ihn nicht blos aus dem Gesichtspunkt betrachtete, dass er das 
Bild zu umgeben oder zu isoliren hatte, sondermsie erkannte, was auch 
an sich ganz richtig ist, daran ein Unten und Oben, und zwei Seiten, 
die sich auf das Untere stützten und das Obere trugen, so dass sieh für 
diese Verschiedenheiten auch verschiedene Formen ergeben sollten. Die 
Motive dazu wurden wie die Details der Architektur der antiken Kunst 
entlehnt, denselben Gegenständen, die schon oben erwähnt sind, beson- 
ders den Denkmälern. Das Untere wurde als Tragendes, als Console 
aufgefasst, die Seiten als Stützen, also pfeilerartig mit Füllornament he- 
handelt, das Obere galt als Lastendes, als Decke, und erhielt zu reicberer 
Wirkung vollkommene Giebelbildung. Natürlich war die Masse der 
vorspringenden Theile auf "die veränderte Bestimmung herahgedriickt 
und demgemäss bescheiden gehalten, so dass der Rahmen sich der Wand 
architektonisch wie plastisch anschliessen konnte, während unsere heutigen 
Rahmen, die gar keine ideelle oder künstlerische Verbindung mit der 
Wand haben, wie beliebig hinten angeklebt erscheinen, und wenn man 
sie mit Bändern oder Schnüren aufhängt, mit diesen sichtbaren Schnüren 
die Wand unangenehm zerschneiden. Ein besonderes Motiv, welches der 
Renaissancerahmen noch den antiken Fenstern und Thüren entlehnte, war 
die Erweiterung der Ecken mit heraustretenden, durch Abspringnng der 
Aussenlinien gebildeten "Ohren", die zur Aufnahme von Rosetten Raum 
geben; diese Rosetten repräsentiren die Nägelköpfe, mit denen man sich 
das Gemälde befestigt denken konnte. 
Bei solcher architektonischer Gestaltung konnte der Renaissance- 
rahmen des plastischen Ornaments des Lanbwerks und dergleichen viel- 
fach entbehren, und er war daher auch in dieser Beziehung oft äusserst 
schlicht und bescheiden und zog selbst wohl gemaltes Goldornament 
dem geschnitzten und vergoldeten auf seinem dunklen und besonders 
schwarzen Holze vor. Dagegen mussten die Kanten und Kehlen ausserst 
fßill lind scharf gearbeitet Isein. Eine Nachwirkung dieser Art waren die 
feinen und zierlichen Ebenholzrahmen, welche die architektonische Ge- 
staltung aufgaben und alle vier Seiten wieder gleich hielten, aber sich 
durch die Nettigkeit der Arbeit, durch die feine Gliedenmg, durch ihr
	        

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