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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 66)

Wellenornament und dergleichen zierliche Tischlerei auszeichneten. Sie 
gingen noch tief in das siehzehute Jahrhundert hinüber. 
Eine neue Epoche für die Rahmenbildung kam mit der Barock- 
ornamentik bereits noch im sechszehnten Jahrhundert. Die Malerei wen- 
dete sich von der Wand immer mehr der Staifelei zu. Mit dem wachsen- 
den Bedürfniss nach Rahmen wurde die Fabrikation derselben ein eigenes 
Geschäft, eine Art selbstständiger Kunst, während bis dahin der Regel 
nach der Maler selbst für sein Bild den Rahmen entworfen hatte. Nun- 
mehr wurden von Architekten und Decorationskünstlern, zumal auch den 
Meistern des Kupferstichs und der Radirung, Rahmen auf das Belieben 
bin componirt und durch irgend eine Vervielfaltigungskunst publicirt. 
Solche Compositionen wurden zahlreich und mit einer gewissen Vorliebe 
geschatfen, verleiteten aber zu dem Irrthum, zu viel Werth auf einen 
Gegenstand zu legen, der doch nur zum Schmucke und zur Vollendung 
eines anderen Kunstwerkes diente. Dadurch wurden Uebertreibungen und 
Ueberladungen hervorgerufen. 
Künstlerisch machten sich seit dieser Entwicklung in der Barock- 
zeit während der zweiten Hälfte des sechszehnten und im siebzehnten 
Jahrhundert drei Richtungen geltend. Die eine wurde von der deutschen 
und niederländischen Barockarchitektur begonnen und zeigt ihre Eigen- 
thümlichkeit in dem lederartig ausgeschnittenen und gebogenen Ornament, 
welches den Rahmen breit und massig umgibt, mit Schnüren, Frucht- 
und Blumengehängen dazwischen. Es entspricht dem englischen Elisabeth- 
styl, {indet sich schon bei Dietterlin und später bei Vredeman de Vriese, 
de Passe und anderen besonders in den Niederlanden. Die zweite Richtung 
ist mehr eine naturalistische. Sie bedeckt den ganzen Rahmen mit dich} 
gedrängten Blumen, Früchten und Laubwerk, meist in einem sehr kräfti- 
gen, tief unterschnittenen Relief. Als ihre Hauptsitze mögen Venedig und 
wiederum die Niederlande betrachtet werden. Die dritte Richtung kann 
als die speciüsch französische bezeichnet werden, da sie von den franzö 
sischen Künstlern unter der Regierung Ludwigs XIV. und unter dem 
herrschenden Geschmack der Perrücke zu ihrer höchsten und am meisten 
charakteristischen Ausbildung gebracht wurde. Einer ihrer Hauptvertreter 
war Lepautre mit seinen zahllosen Oompositionen. Ihre Elemente bestan- 
den in antiken ornanientalen Reminiscenzen, in naturalistischen Bildungen, 
gemischt mit architektonischen Bestandtheilen, Symbolen, Emblemen und 
Allegorien, nebst figürlichen Darstellungen aller Art. Das alles bildete 
einen Wust, bald regelmäasiger, bald unregelmäßiger gehalten, der so 
schwer, breit, massig war, dass man bei diesen Cartouchen ihre eigent- 
liche Bestimmung als Umfassung für Bilder, Spiegel, Reliefs ganz und 
gar vergisst. 
Das achtzehnte Jahrhundert milderte wieder in seiner Weise diese 
wilden, schweren und übertriebenen Bildungen, aber es brachte eine neue,
	        

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