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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 67)

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Die zuerst von der österr. Regierung mit reichen Mitteln geförderte 
Wiederherstellung der zerstörten Mosaiken der Marcuskirche, die Unter- 
stützung, welche dieselbe Regierung Herrn Salviati bei dem ägyptischen 
Gouvernement seiner Zeit angedeihen liess, waren ein mächtiger Hebel 
zur Förderung der Bestrebungen Salviatfs, die um so höher anzusehlagen 
sind, als sie in die schwerste, d. h. in die erste Zeit seiner Thätigkeit tielen. 
Gegenwärtig steht Herr Dr. Salviati an der Spitze einer englischen Actien- 
gesellschaft zur Förderung dieser Industrie. Der mercantile Geist ist mit 
derselben, nicht unvortheilhaft für die Suche selbst, eingezogen; die lei- 
tende Seele, der Spiritua reotor des Ganzen ist und bleibt Salviati. Die 
unermüdliche, fast ruhelose Thätigkeit dieses unternehmenden Mannes fihrt 
die Industrie fort und fort auf neue Wege, und so habe ich in diesen 
Tagen die ersten Proben der Glastechnik gesehen, mit welcher die bunten 
antiken Glaser mit ihrer Nachahmung des Achates gliickverheissend wieder 
imitirt worden sind. Interessant war es mir zu erfahren, dass diese Gläser 
zuerst geschmolzen und dann geblasen wurden. Einige braungelbe und 
blauweisse Achatimitationen sind jetzt im Stabilimento in Venedig, Üampo 
S. Vio, zu sehen. 
Die Thätigkeit des Stabilimento Salviati erstreckt sich heute auf 
folgende Zweige derKuustindustrie: auf Glasgefässe, Luxus- und Gebrauchs- 
gegenstände, auf Spiegel und Lustres, auf Glas- und Steinmosaik, auf 
Schmuuk- und Luxusgegenstände, bei denen Mosaik in Verwendung kömmt. 
Nach allen diesen Richtungen hin hat das Institut in den letzten Jahren 
grosse Fortschritte gemacht. Spiegel und Lustres werden in grosser An- 
zahl bestellt; ebenso hat sich hie und da das Bedürfniss eingebürgert, 
Glasservice aus Gläsern nach Alt-Muraneser Art zu gebrauchen. In den 
Luxusgefässen ist ein grosserFoitsehritt zu bemerken; die Masse des hell- 
braunen Glases ist, wie die Farbe, conformer jener reizenden Art hell- 
braunen Glases, das im sechzehnten Jahrhundert häufig gebraucht wurde. 
Auch in der Fabrication des leichten Glases wurden Fortschritte gemacht. 
Da gegenwärtig der Fusshoden der Marcuskirche einer neuen Restauration 
unterzogen wird, so hat die Technik des Steinmosaiks in demselben In- 
stitute eine grosse Ausdehnung genommen. Es wird für diesen Zweck 
zwanzig Jahre hindurch eine Summe von 20.000 Fres. jährlich verwendet. 
Besonders anerkennenswerth ist der Grundsatz, bei den Vorbildern 
von Alt-Venedig, den historischen Traditionen der Glasindustrie von 
Murano zu bleiben. Mit der deutsch-böhmischen Glasindustrie gedenkt 
man in keiner Weise zu coneurriren und man thut gut daran. Das böh- 
mische Glas ist seinem Material nach ein anderes als das venetianische. 
Ersteres eignet sich mehr für eine strengere Form, eine stylreine und 
reiche Gravirung, letzteres ist mehr für Emailschmelz und Gefasse ge- 
schaffen, die bewegliehere Formen annehmen. Für Flasehenglas, zum 
eigenen Gebrauch wie zum Exporte, soll eine Glasfabrik in dem industriel-
	        

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