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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 91)

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Rücksichtlich der zweiten Frage wurde beschlossen, die Beschlüsse des dmchen 
Künstlerverbandes vom Jahre 1864, die auf Grundlage eines Elaborates der Wiener 
Knnstlergenossenschaft gemacht wurden, zum Ausgangspunkte der Berathung zu wählen, 
diese Beschlüsse vorerst in Druck legen zu lassen, und dann auf die Detailberathung 
einzugehen. 
Die österreichische Regierung wird wohl die erste sein, welche, dem Wunsche der 
österreichischen und deutschen Kunstlergenossenschaft entsprechend, diese Angelegenheit 
auf gesetzlichem Wege regelt. 
An der Berathung nahmen Theil: Reichsrathsabgeordneter N. Dumba, Rector 
Schmidt, die Professoren v. Ferstel, Kundmann, Engerth und Eisenmenger 
und der Bildhauer Wagner. 
(Die Gesellschaft zur Forderung der Kunstgewarbesohule des Oeatetr. 
Itlldllmß) bcschliesst gegenwärtig das vierte Jahr ihrer Wirksamkeit. Wir entnehmen 
dem Jahresberichte folgende Angaben: 
Gleichwie das Oesterr. Museum mit seinen Reproductionen von alten Kunstgegen- 
standen, Gypsabgussen, Photographien und galvano lastischen Copien, ferner mit den lite- 
rarischen Leistungen, so wird auch die Schule Q er Beschluss des Aufsichtsrathes ihre 
Ausstellung während der Weltausstellung veranstalten. Für diesen gemeinschaftlichen 
Zweck wird der Saal VI, welcher sonst für die zu dieser Zeit entfallende wechselnde 
Ausstellung moderner Arbeiten der Kunstindustrie bestimmt ist, eingeräumt werden. Es 
stehen in diesem Saale zwölf Schänke zur Verfügung, in welchen Bildhauer- und andere 
unter Verschluss zu bringende Arbeiten Aufnahme finden werden. Ausserdctn wird für 
die Anbringung von Zeichnungen durch Blendrahmen etc. im Ssale vorgesorgt sein, so 
dass im Ganzen für die Zwecke der Schule ein Raum disponibel sein wird, wie er 
in solcher Grosse einem einzelnen lnstitute bei einer allgemeinen Exposition nie zu 
Theil werden konnte. Bei dieser Ausstellung wird das Princip festgehalten, dass, um ein 
möglichst vollständiges Bild von der Entwicklung und den Erfolgen der Kunstgewerbe- 
schule bieten zu können, auch Arbeiten von solchen Zöglingen aufgenommen werden 
sollen, welche gegenwärtig ihre Studien an der Anstalt bereits beendet haben. Es werden 
dabei die sammtlichen Abtheilungen der Schule, die Vorbereitungs, Blumenmalerei-, 
Bildhauerei- und Architekturschule, sowie jene für iigurales Zeichnen und Malen vertreten 
sein u. zw. in gewählten Proben von Zeichnungen und Modellirversuchen. 
Was die übrigen Verhältnisse der Kunstgewerbeschule betrifft, so ist auch in diesem 
Jahre viel Förderndes an den Tag getreten. Die Anzahl der im letzten Jahresberichte 
ausgewiesenen Stipendien hat sich durch Gründung von mehreren Specialstipendien noch 
beträchtlich vermehrt. Dieselben sind durch die aus den Ministerien für Handel und für 
Cultus und Unterricht gebildete Commission zur Pflege der Gewerbescbulen gegründet 
worden und besonderen Zwecken gewidmet. Es wurden demnach drei Stipendien in 
demselben Betrage, wie er für die Staatsstipendien normirt ist, für Zöglinge der elzgebir- 
gischen Spitzenindustrie estiftet. Zwei Stipendien sind bestimmt für die Hebung der 
Stickerei und der Kattun ruckcrei in Vorarlberg; ferner wurden noch fßnf besondere Sti- 
pendien für Vertreter einzelner Fachrichtungen der Kunstindustrie vom Handelsministerium 
bestimmt. Die Gesellschaft verlieh ihreeigenen Stipendien diesmal an 17 Zöglinge. - 
Auch in diesem Jahre hat die Gesellschaft aus ihren Mitteln Platten für Porcellanmalerei 
beschafft, wie überhaupt diese Richtung kunstgewerbiicher Thätigkeit mit der Gesellschaft 
in nahere Verbindung demnächst gezogen werden soll. 
(Ireuenverein für Arbeitssolmlen.) Am 3. Mai-z hielt der unter dem Protecto- 
rate Ihrer k. Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Marie stehende Verein seine 
22. Generllversammlung ab. Der vom Altgrafen Salm verlesene Jahresbericht constatirt 
mit Bedauern, dass die nach den neuen Einrichtungen geänderte Stuntleneintheilung der 
Communalschulen der Wirksamkeit der Vereinssehuleu Schaden gebracht habe, so zwar, 
dass der Verein in diesem Jahre genöthigt war, zwei Schulen, in _der Josephstaadt und 
in der Brigittenau, aufzulassen. Die Zahl der in den gesammten 17 Vereinschulen be- 
schäftigten Schülerinnen betrug 1851, von welchen 23.119 neue Waschstucke verfertigt 
wurden, wofür sich dieselben die Summe von 5490 G. 77 kr. verdient haben. Ein Theil 
dieser Arbeiten, für diejWeltausstellung bestimmt, wurde einstweilen im Oesterr. Museum 
aus estellt. Die Einnahmen beliefen sich auf 22.143 H. 1: kr., die Ausgaben auf 17.686 B. 
14 ., es verblieb somit ein Casserest von 4.457 H. 8 kr. Unter den besonderen Zuflüssen 
sind hervorzuheben die Spenden der ersten österreichischen Sparcassa mit iooo fl. und das 
Vermlchtniss der Frau Baronin Trenk v. Tonder mit Soo ü. Ausserdem ist der Verein 
in dem Testamente Ihrer Majestät der Kaiserin (krolina Augusts mit einem Legate von 
iooo H. bedacht worden. Bei den schliesslich vorgenommenen Ausschusswlhien wurde 
lhre Durchl. Frau Fnrstin Marie Liechtenstein als Vorsteherin wiedergewählt. 
(Stlckmuatetn) Stickmuster, herausgegeben mit Unterstützung des k. k. Ministe- 
riums für Unterricht und mit Benutzung der besten Vorbilder entworfen von E. Drahan.
	        

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