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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 98)

nassen Wege erzeugten, also die Federzcichnungen, die lavirten oder getuschten 
Blätter, namentlich alle, die einen ins Warme, ins Gelbe gehenden Ton haben: 
' Bister, Sepia u. s. w. Solche sind im Lichte sehr gefährdet. Weniger jene, 
welche mehr in einen kalten Ton oder ins Graue übergehen und wahrschein- 
lich meist aus MineralstoEen bestehen. 
Um von den gegenwärtig bestehenden Sammlungen zu sprechen, erlaube 
ich mir nur die zwei wichtigsten als Beispiele ins Auge zu fassen, den Louvre 
und die Uffizien. Der Vergleich ist sehr lehrreich; und wir mlissen wieder, 
so sehr es uns auch demiithigen mag, bei den Franzosen in die Schule gehen. 
In den Sälen des Louvre sind blos alle jene Zeichnungen unter Glas 
und Rahmen aufgestellt, die so gut wie gar nicht im Lichte leiden, dagegen 
liegen alle jene, welche den Lichtstrahl nicht vertragen, in Mappen; und wer 
aus Erfahrung weiss, wie schwer es ist, zu den Mappen der Louvre-Sammlungen 
Zutritt zu bekommen, der weiss auch, dass den Zeichnungen da wenig Gefahr 
vom Lichte droht. Einige Hauptblätter aber der italienischen Meister, sowie 
auch mehrerer französischer und deutscher, hat man doch auch dem grösseren 
Publikum zugänglich machen wollen und dieselben zu dem Zwecke in der so- 
genannten iwsalle des boitessf ausgestellt. Es ist wirklich Freude erweckend zu 
sehen, mit welcher Rücksicht man da zu Werke gegangen ist. Das Oberlicht 
des Saales ist mit Milchglas eingedeckt, zur Milderung der einfallenden Licht- 
strahlen. Ausserdem aber befindet sich jedes Blatt in einem besonderen, ver- 
schliessbaren hölzernen Kästchen (daher der Name des Saales) an der Wand 
aufgehängt; diese Gehäuse werden blos an einem Tage der Woche während 
zweier Stunden geöffnet und keine Protection vermag daran etwas zu ändern. 
Anders ist man in Florenz vorgegangen. Man hat den grossen langen 
Corridor, durch welchen Vasari Uffizien und Pitti verband, zum grossen Theile 
dazu verwendet, die Zeichnungen da aufzustellen, ohne jede Rücksicht auf ihre 
Herstellung. Sie sind auch sonst nicht genügend geschützt, vielmehr imhöch- 
sten Grade gefährdet. 
Was nun die Art der Einrichtung betrifft, so folgen leider die meisten 
Kabinete der Sammlung der Uffizien nach, statt sich von ihr ein abschrecken- 
des Beispiel zu nehmen. Die Verglasung muss stets so eingerichtet werden, 
dass der Staub möglichst schwer eindringen kann. Auch darf das Glas weder 
unmittelbar auf der Zeichnuiig liegen, noch soll es zu weit von derselben ent- 
fernt sein. 
Dieselbe Sorgfalt erstrecke sich auf einzurahmende Kupferstiche. Aber 
auch diese leiden im Lichte. Die beste Aufbewahrung für dieselben bleibt 
daher nach wie vor die in den Mappen, und zwar namentlich für Privatlieb- 
haber. Fiir öffentliche Sammlungen empfiehlt sich immer noch die in Bänden. 
Die Stiche sollen freilich in der Weise aufgezogen werden, dass mindestens 
eine Ecke frei bleibt, sie müssen auf gutes geschöpftes Handpapiert, nicht auf 
chemisch hergestelltes Papier aufgezogen und die Vorderseiten durch Seiden- 
papier geschiitzt werden. Ich warne aber davor, dass die Anbringung dieses 
Seidenpapiers auf der Rückseite des vorhergehenden Blattes geschehe. Das 
Seidenpapier muss lose eingelegt sein, damit die unvermeidliche Reibung auf 
die dem Stiche abgekehne Seite desselben verpflanzt werde. Freilich da stehen 
wir vor der Papierfrage: Nichts ist heute schwerer, als das für Conservirung 
von Kunstblättem geeignete Papier zu finden. Das Maschinenpapier, dessen 
Auslaugung eine ganz unvollkommen: ist, bleibt fiir dieselben stets gefährlich. 
Das ist allerdings eine Calamität. Wir bekommen kein gutes Seidenpapier und 
keine guten Canons mehr; es wiirden sich aber wohl die Fabriken wieder 
dafür einrichten, wenn alle Sammler und Sammlungsvorstände in der- Nach- 
frage einig wären.
	        

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