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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VIII (1873 / 98)

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profanen Architektur sind aber um so mehr vernachlässigt worden. Der Kaiser- 
palast zu Gelnhausen, die Wartburg, das Heidelberger Schloss, das sind Fälle, 
wo einem kleinen Staate die Mittel fehlen. Eine Reichscommission hätte in 
solchen Fällen die Mittel der kleinen Staaten zu ergänzen. 
Seit mehr als Jahresfrist habe ich mich mit diesen Ideen getragen, habe 
sie mit Fachmännem besprochen, habe sie auch mit einigen Mitgliedern des 
deutschen Reichstages durchgesprochen, namentlich mit Lasker. Ich selber 
habe dann diese Beschäftigung vorläufig aufgegeben, weil damals schon meine 
Berufung nach Oesterreich spielte. Jetzt kommt aber ein Ereigniss, das es 
zu einer Nothwendigkeit macht, die Sache doch nicht aufzuschieben. 
Wie Sie wissen, ist vor einigen Wochen etwas davon in die Oeifentlich- 
keit gedrungen, dass der deutsche Architekten-Verein die Absicht hat, mit 
dieser selben Frage an den Reichstag heranzutreten und eine Petition 
einzureichen. Darin liegt auch für uns die Nothwendigkeit, die Sache 
anzufassen. Hier liegt die Befürchtung nahe, dass die Architekten allein 
und einseitig die Sache in die Hand nehmen und dass an die Frage der 
Conservirung der alten Denkmäler eine ähnliche Gefahr herantritt, wie 
ich sie näher in Bezug auf Frankreich erörtert habe. Dem müssen wir 
vorbeugen. Die Architekten schliessen sich gegen die Bestrebungen der 
Kunstwissenschaft ab. Weil sie unter sich Persönlichkeiten haben, die als 
Specialforscher Tüchtiges gewirkt haben, glauben sie, auch die rein wissenschaft- 
liche Seite der Sache zu beherrschen. Aber da werden wir zu befahren haben, dass 
der Praktiker über den Theoretiker den Sieg davon trägt. Wenn der Architekten- 
Verein in diesem Sinne eine Petition an den Reichstag einreicht, so können 
wir Bestimmungen erwarten, welche womöglich die Kunstwissenschaft aus- 
schliessen von der Mitwirkung bei solchen Fragen. Wir dürfen uns nur daran 
erinnern, wie im deutschen Reichstage im ähnlichen Falle schon vorgegangen 
worden ist, nämlich bei Gelegenheit der Concurrenz für das Haus des deutschen 
Reichstages. ' _ 
Sie sehen, dass hier Gefahr im Verzuge ist; und so möchte ich lhnen 
den Vorschlag machen, die Frage unsererseits nicht ausser Acht zu lassen. 
Wir sind augenblicklich nicht fähig, eine Petition bereits vorzulegen und hier 
zur Berathung zu bringen; ich möchte aber den Vorschlag machen, aus unserer 
Mitte eine Commission von Kunsthistorikern einzusetzen, der wir den Auftrag 
geben, sich zu instruiren, wie man die Frage bisher behandelt, auf Grund 
dieser Kenntnissnahme dann einen Gesetzesvorschlag zu formuliren und aus- 
zuarbeiten, den diese Commission an das ständige Präsidium des Congresses 
noch im Laufe des nächsten Winters einzureichen haben würde, damit dieses 
noch zur nächsten Session eine Petition mit den bestimmt formulirten gesetz- 
lichen Vorschlägen einreichen könnte. Ich gebe dies in Form eines Antrages: 
vDer kunstwissenschaftliche Congress ernennt eine Commission, welche. 
eine an den deutschen Reichstag zu richtende Petition ausarbeitet, des Inhalts, 
dass von Reichswegen gesetzliche Bestimmungen für Erhaltung der nationalen 
Kunstdenkmäler getroffen werden mögen und eine oberste Behörde für Er- 
forschung und Erhaltung der Denkmäler eingesetzt werde. 
Das Präsidium reicht die von der Commission ausgearbeitete Petition 
dem deutschen Reichstag einm „ 
Secretär Dr. Gädertz aus Lübeck erhält das Wort zu einer ange- 
meldeten Mittheilungi 
Ich wollte mir erlauben, auf einen Uebelstand hinzuweisen, der immer 
mehr überhand nimmt, und der mir besonders störend vor Kurzem wieder in
	        

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